Sie war der Schönheit eine Rose aus Kristall

#1
Vor einiger Zeit hatte ich einen Kurs, in dem es um Schönheit ging. Das war ein Gemeinschaftsprojekt vom Institut ausgehend.
All die Menschen, die in den Medien den Idealvorstellungen hinterherjagen.
Später dann, war eine junge und äußerst attraktive Frau im Kurs.
Sie erzählte von den Schattenseiten als sehr hübscher junger Mensch.

Nämlich, dass sie sehr traurig und einsam sei, weil viele sich nicht getrauen, sie anzusprechen, aber auch, weil sie sich ihrer Schönheit nie bewusst war und viele Jahre sich von den Männern teilweise ignoriert fühlte.
Sie nahm ihre Außenwelt distanziert und unterkühlt wahr.

Das warf und wirft natürlich viele Fragen auf!
Mich hat das Thema sehr beschäftigt und tut es immer noch.
Hier mein lyrisches Produkt dazu und ich würde mich über Gedanken zu dem Thema freuen.

---

In ihrem Inneren war sie ein Sumpf,
ein Resultat, der Jahre langen Leere.
Was von Ihr übrig war, ein Seelenstumpf,
von Ignoranz geschliffen, kaum die Ehre
der Liebe hat sie je erfasst, sie musste,
weil sie nicht ihre Schönheit in sich wusste,
und keiner sich in ihre Nähe traute,
kaum einer ins fragile Blau der Augen schaute,
sich von allem lösen.

Sie war der Schönheit eine Rose aus Kristall.
Gemacht, geschliffen, um perfekt zu sein.
Anstatt der Leidenschaft kam der Verfall.
Sie war die Einsamkeit und sehr allein.

Re: Sie war der Schönheit eine Rose aus Kristall

#2
Hallo Aimy,

interessantes Thema, gern gelesen.

Das erinnert mich an mehr als eine Freundin. Talentiert, fleißig und sehr hübsch, wirkt fast zerbrechlich. Und sie ist naiv und braucht Bestätigung.

Das führt dazu, dass Männer sich zwar mit ihr verabreden und sie versuchen ins Bett zu kriegen um sich danach aber direkt von ihr zu distanzieren, denn, um es mit den Worten der Männer zu sagen:

Diese Frau hat man eh nicht für sich allein.
Da kannste mal drüberrollen, aber für länger ist das nichts.
Ist so wie die aussieht sowieso ne Schlampe.

Ich kenne diese Art von Gesprächen unter Männern aus eigener Erfahrung. Da sitzt man zusammen und macht sich nen jux draus wer wen aufreißt und der entsprechenden attraktiven Frau dann mal so richtig die Taschen vollhaut. Das nennt sich heutzutage "Pick up." Vorbilder in Film und Fernsehen gibt es genug. Und es wird dafür gelogen was das Zeug hält. Ohne Rücksicht auf Verluste direkt ins Gesicht. Und dann sind es eben diese Männer, die im zweiten Atemzug rumheulen wie scheiße die Frauen sind, die sie mit ihrer Art und Weise selbst zu dem gemacht haben was sie sind...

Das ist n Teufelskreis in beide Richtungen. Umgekehrt kenne ich es auch.

Irreguten Wochenstart
WuI
„Bäume sind Gedichte, die die Erde in den Himmel schreibt.“ -Khalil Gibran

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Re: Sie war der Schönheit eine Rose aus Kristall

#3
Hallo liebe WuI!

Wieso benötigen eigentlich so vielen Frauen Bestätigung?
Ich war da anders, auch schon als Teeny.

Jemand aus meinem Bekanntenkreis, er heißt Andreas...
Er ist wirklich ein sehr hübscher Mann. Strahlend blaue Augen, immer ein Lächeln, nahezu perfekte Symmetrie im Gesicht, sehr volle Haare, ein bezauberndes Lächeln und ein wirklich toller Charakter...
Wäre ich nur jünger, wäre er vor mir nicht sicher! :meckern: :heart:

Er bekommt keine! Dann hat er es also mit Onlinedating versucht. Er bekam sehr viele Ansichten, aber eigentlich hat ihn jede Frau ignoriert, geschrieben hat keine.
Dann hörte er, es läge an seinen Texte. Er müsse zwingend humorvoll, "flirty" und unterhaltend sein - denn eine normale und ehrliche Konversation mit Vorstellung wer man ist usw usf... sei zu langweilig.
Dann schrieb er mal eine an, die auch geantwortet hat und ihn fragte, wieso er sie anschreibe, weil er eine andere "Liga" sei und das Paradoxe war, er war selbst nervös und hegte an sich selbst Zweifel, weil er sie sehr hübsch fand.

Etwas ähnliches, eigentlich fast das Gleiche, hörte ich auch von der Frau aus dem Kurs. Auch sie griff irgendwann zum Onlinedating und besonders hob sie eine Reaktion eines Mannes hervor, der ihr wirklich sehr gefiel, man beachte (!): "Was will so eine wie Du von mir?".

Ich bin fassungslos und sehr traurig darüber! Was du erzählst macht mich traurig. Früher war das irgendwie anders und ich merke, dass ich langsam wirklich alt werde. Mir tun die jungen Menschen in der heutigen Zeit sehr leid.

Und jetzt ruft erstmal die Arbeit und ich wünsche euch allen einen schönen Tag!

Re: Sie war der Schönheit eine Rose aus Kristall

#4
Hallo Aimy,

denke ihnen fehlt das Selbstbewusstsein. Fehlte mir auch sehr lang. Wenn man einem lange genug einredet man sei hässlich, untauglich oä glaubt man das irgendwann. Für mich sind derartige Eigenschaften kompensatorisch.

Bei jenem Mädchen ist es die Mutter, der sie nie etwas recht machen konnte.

Habe auch einen sehr hübschen guten Kumpel, könnte aber nie mit dem zusammenleben und umgekehrt. Uns trennt die innere Einstellung zu für mich essentiellen Themen. Aber er ist ein super Kerl.

Dennoch wäre er nicht in der Lage für mich da zu sein wenn er es müsste. Weil er es nicht mal schafft für sich selbst da zu sein. Es gibt so viele Gründe wie es Menschen gibt...

Irregute Grüße
WuI
„Bäume sind Gedichte, die die Erde in den Himmel schreibt.“ -Khalil Gibran

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Re: Sie war der Schönheit eine Rose aus Kristall

#6
Hallo gummibaum,

genau um die nicht vorhandene Gemeinsamkeit geht es aber.
Man erwartet, dass Schönheit nicht alleine und einsam ist. Hier entsteht ein Gegensatz, mit keinerlei Gemeinsamkeit.
Sie trauert, weil sie aufgrund ihrer Schönheit einsam ist. Das ist ein Bilderbuchparadoxon. Denn eigentlich sagt man, dass man aus schönen Schüsseln nie alleine isst.

Äußerlich ist sie wunderschön und innerlich wurde ihre Seele, aufgrund der Distanz und Kühle der Männer, die sich von ihrem Antlitz eingeschüchtert und unmutig fühlten, von der ausbleibenden Nähe und dem Bedürfnis nach Zärtlichkeit und Liebe amputiert, und was übrig blieb war der Stumpf (das verbliebene Stück Seele) und sie versank in sich selbst, weil sie darunter sehr gelitten hat und innerlich von ihrer äußerlichen Schönheit sowieso nichts wusste. Es entstand eine Abwärtsspirale. Sie war und ist eine trostlos schöne Frau. Oder, mit anderen Worten, eine missratene Idylle (wenn man ihren Gefühlszustand so begreifen will, wie sie sich fühlen mag).
Hier geht es also um zwei völlig verschiedene Umstände.
Erstarrung und Brüchigkeit, würden in dem Fall, meiner Meinung nach, den Zustand und die Konsequenz nicht ausreichend erklären.
Man erstarrt vor Angst und man ist brüchig, wenn man zartbesaitet ist. (usw usf.)
Sie erstarrt aber nicht und ist auch nicht brüchig im Sinne von brechen oder gebrochen.

Ich danke Dir für Deinen Kommentar und Deine Gedanken.

- A

Re: Sie war der Schönheit eine Rose aus Kristall

#7
Dieser Gegensatz lässt sich anders zeigen, z. B.:

Wie schön sie ist, doch eine Rose,
die glänzend hart ist wie Kristall.
Ihr Trauerblick hängt welk und lose
an der Pupille wie Verfall.

In ihrem Innern starb das Leben,
denn nie hat sie ein Mann geliebt
aus Angst, dem Unglück zuzustreben,
weil Schönheit lockt und allen gibt…


Der Sumpf ist vielfältig belebt, besonders von seltenen und geschützten Pflanzen und Tieren, die dieses Feuchtbiotop nutzen. Dass er schwerere Lebewesen versinken und ersticken lässt, um sie im huminsauren Milieu entmineraliert zu konservieren, hat ihn für Menschen früher bedrohlich gemacht.

Alles Liebe
LG g
Zuletzt geändert von gummibaum am 15 Okt 2019, 12:52, insgesamt 1-mal geändert.

Re: Sie war der Schönheit eine Rose aus Kristall

#8
Hallo gummibaum,

Wie schön sie ist, wie eine Rose, (wieso verwendest du hier das Konjunktionaladverb "doch" vor dem Subjekt?)
die glänzend hart ist wie Kristall.
Ihr Trauerblick hängt welk und lose
an der Pupille wie Verfall.

Die Strophe sagt einerseits aus, dass sie schön wie eine Rose ist, die einem glänzenden und harten Kristall ähnelt.
Daran mag ich die Adjektive nicht! Jedenfalls wuchs ich mit den Glauben auf, dass ein Kristall von Natur aus hart, glatt und glänzend ist. Die dunkle Nacht.
Entschuldige bitte, ich stamme aus einer alten Schule und bin mit dem Adjektivvirus infiziert.
In meiner Strophe hingegen, steht der Kristall für die Einmaligkeit respektive Einzigartigkeit des Paradox.
Denn einerseits kann eine Rose kein Kristall sein und andererseits ist sie aber genau das, weil sie dadurch unnahbar wird.
Und natürlich auch, weil es schön klingt... :wuffi: :wand: :balls: :rot: :heart:

Und wieso hat sie einen Trauerblick, der welk und lose wie Verfall (wenn dann, wie Zerfall) an der Pupille hängt? Damit willst du den Kontrast herstellen, schätze ich! :)
Dass sie innerlich starb ist irgendwie korrekt, weil sie sich sehr einsam fühlte, aber nicht deswegen, weil sie nie liebte, sondern deswegen, weil kein anderer sich an sie herantraute und ihre Liebe deswegen stets unberührt blieb.

Die Informationen über den Sumpf sind sehr richtig - du hast ein breitgefächertes Allgemeinwissen gummibaum!
Der Sumpf steht aber dafür, dass man in die Tiefe von etwas oder jemand gezogen wird.
Jedenfalls ist das meine erste Assoziation, wenn ich jemanden das Wort Sumpf sagen höre.
"Ihhh, da will ich nicht hin, da könnte ich darin versinken" - sehr naiv und einfältig, ich weiß - ist aber leider so! :rot:
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