Verfall

#1
achnaja .... so schön abgeklärt, wie das Erntedank mir Glauben machen wollte, ist es anscheinend nicht.... -- dieses Gedicht ist meiner aktuellen Gefühlslage doch ein wenig näher und nimmt den November heftig vorweg.

Verfall

Die Wolken ziehen weiter, Bäume tragen
ihre schönen strahlendbunten Roben bald.
Tief unten stehe ich, klein, voller Fragen
im Kern bin ich gleichjung, doch außen alt.

Ihre schönen strahlendbunten Roben bald
geben sie den wilden Winden schließlich preis.
Im Kern bin ich gleichjung, doch bitteralt.
Ach würd ich nicht erinnern, was ich weiß!

Geben sie den wilden Winden schließlich preis
und schleudern sie auf Modererdenhaut.
Ach würd ich nicht erinnern, was ich weiß!
Ach heult' Vergangenheit doch nicht so laut!

Blattgrün geschleudert auf die Modererdenhaut!
Inmitten stehe ich, klein, voller Fragen.
Ach heult' Vergangenheit doch nicht so laut -
denn: Wolken ziehen weiter ohne Klagen ...
Aus Wolkenschleiern sinken Flocken nieder und dennoch schlägt in meinem Garten leise die Nachtigall (Otomo No Yakanochi)

Die Sterne lauter ganze Noten. Der Himmel die Partitur. Der Mensch das Instrument.
(Christian Morgenstern)

Re: Verfall

#2
Hallo Lentas,

du hast den Herbst ergreifend in dein Pantun fließen lassen und es gefällt mir ausgesprochen gut.
Mit den wechselnden metrischen Tanzschritten hadere ich etwas und denke, dass eine Überarbeitung ein Gewinn sein könnte.
Sprachlich und inhaltlich finde ich es sehr gelungen.

Liebe Grüße,
Serpentina

Re: Verfall

#3
Hallo Serpentina

und Danke Dir für Deine Würdigung.
In den nächsten Tagen werde ich einiges ändern -
danach würde ich mich freuen, wenn eineR mir mal die ersten Tanzschritte erklärt.

lG Lentas
Aus Wolkenschleiern sinken Flocken nieder und dennoch schlägt in meinem Garten leise die Nachtigall (Otomo No Yakanochi)

Die Sterne lauter ganze Noten. Der Himmel die Partitur. Der Mensch das Instrument.
(Christian Morgenstern)

Re: Für danach

#4
Liebe Lentas (für danach),

ich verlinke dir mal eine Seite, nach der ich mich gerichtet habe, allerdings nicht mit der Markierung von Hebung und Senkung. Hier soll das kleine x Senkung und das grosse X Hebung bedeuten. Das Meiste wird dir bekannt sein, also bitte entschudige, wenn da mit etwas ausgeholt wird, was dir bekannt ist. So kann ich mich aber von mir aus gesehen besser verständlich machen.

Du verwendest fast ausschließlich Jamben, mit männlichen (xX) und weiblichen (Xx)
Versenden. Das ist klasse, denn durch den Wechsel schwingt dein Pantun sehr schön.
An manchen Stellen fällst du aus dem gleichmäßigen Jambus.
Wie in dem Link zu lesen ist, kann das Versmaß auch gewollt unregelmäßig sein, was überhaupt nicht stören muss.
Ich habe die wenigen Stellen, die meinen Lesefluss holpern lassen, mit den geänderten Vorschlägen dick makiert.
Vielleicht taucht noch jemand auf, der mehr Ahnung hat wie ich. Das wäre natürlich prima.


Ein sehr schönes Pantun, das ich gerne mehrmals gelesen habe,
Serpentina


Die Wolken ziehen weiter, Bäume tragen
die schönen strahlendbunten Roben bald.
Tief unten stehe ich, klein, voller Fragen
im Kern bin ich gleichjung, doch außen alt.

Die schönen strahlendbunten Roben bald
sie geben sich den wilden Winden preis.
Im Kern bin ich gleichjung, doch bitteralt.
Ach würd ich nicht erinnern, was ich weiß!

Sie geben sich den wilden Winden preis
und schleudern sie auf Modererdenhaut.
Ach würd ich nicht erinnern, was ich weiß!
Ach heult' Vergangenheit doch nicht so laut!

Geschleudert auf die Modererdenhaut!
(das habe ich in 5 hebig geändert)
Inmitten stehe ich, klein, voller Fragen.
Ach heult' Vergangenheit doch nicht so laut -
denn: Wolken ziehen weiter ohne Klagen ...

Re: Verfall

#5
Liebe Serpentina,

Danke fürs Nochmal-Lesen und Verbessern.
Es liest sich so schon viel flüssiger.

Etwas in mir ist zu faul, sich mit den Jamben usw. zusammenzusetzen-
anscheinend habe ich ein einigermaßen ausgeprägtes Gefühl für zB. das Schwingen,
was Du ansprichst.
Aber das ist ja nicht hinreichend, wie ich schon mehrfach gesagt bekommen habe.

Den link hast Du vergessen - magst Du ihn noch einfügen.

Das Gedicht berührt auch mich sehr,
da es , unbewussterweise, ein Gefühl in mir anrührt bzw. nach oben transportiert hat,
das sehr schwer ... erreichbar ist.
Nun habe ich es durch die Herbstbeschreibung für mich selber spürbar gemacht -
und vllt. auch erklärbar, warum mir der Herbst und sein Loslassen und Beenden schon immer die naheliegendste der Jahreszeiten gewesen ist, wenn auch immer wieder schmerzlich.

lG Lentas
Aus Wolkenschleiern sinken Flocken nieder und dennoch schlägt in meinem Garten leise die Nachtigall (Otomo No Yakanochi)

Die Sterne lauter ganze Noten. Der Himmel die Partitur. Der Mensch das Instrument.
(Christian Morgenstern)
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