Bitte

#1
Hüft an Hüft mit dir verweilen,
während Blicke flehn,
als würden sie entgegen eilen.
Lass mich doch nicht gehn!

Der Mund an deiner Stirn, du Liebe,
nimmt Abschied ganz gemach,
so lang, als ob ich bei dir bliebe.
Ach, reise mir doch nach!


20.06.2012
Symbole sind wahrhaftiger als Beschreibungen; denn sie transzendieren über das Erlebbare hinaus.

Re: Bitte

#3
Oh, da hast du wieder mal was ausgegraben, liebe Letreo! :D
Vielen lieben Dank! :)

Das Gedicht hatte ich wirklich schon vergessen, aber dank dir erinnere ich mich wieder daran, aber eher so nach dem Motto: "Ach, so habe ich früher Abschiedsgedichte geschrieben!". :o

LG
Symbole sind wahrhaftiger als Beschreibungen; denn sie transzendieren über das Erlebbare hinaus.

Re: Bitte

#4
liebes schmuddelkind,

mit diesem gedicht habe ich ein paar schwierigkeiten. die *hüft an hüft* -formulierung trifft nicht so meinen geschmack. zum einem stört mich die doppelte wortverkürzung, zum anderen steigt mir beim begriff hüfte kein sinnliches bild in den kopf, sondern nur magere hüftknochen. ;)

die verschieden betonten auftakte machen das gedicht zumindest für mich etwas schwerer lesbar, passen aber ganz gut zum thema, denn so ein abschied ist nun mal nicht so einfach und glatt und komplikationslos. trotzdem könnte man das zugunsten der lesbarkeit ggf. ein wenig anpassen.

besonders gut gefällt mir das *lass mich doch nicht gehen!* die akivität liegt hier ganz bewusst beim LD, das LI legt sozusagen die entscheidung, ob es gehen muss, in die hände des LD. schön! :)

lg
grashüpfer

Re: Bitte

#5
Lieber Grashüpfer,

diese Schwierigkeiten habe ich z.T. inzwischen auch.

die *hüft an hüft* -formulierung trifft nicht so meinen geschmack. zum einem stört mich die doppelte wortverkürzung, zum anderen steigt mir beim begriff hüfte kein sinnliches bild in den kopf, sondern nur magere hüftknochen.

Ein sinnliches Bild ist es für mich schon. Aber die doppelte Wortkürzung wirkt in der Tat etwas unelegant.

die verschieden betonten auftakte machen das gedicht zumindest für mich etwas schwerer lesbar, passen aber ganz gut zum thema, denn so ein abschied ist nun mal nicht so einfach und glatt und komplikationslos. trotzdem könnte man das zugunsten der lesbarkeit ggf. ein wenig anpassen.

Vielleicht war dieser Auftaktmischmasch damals auch tatsächlich aus den genannten Gründen beabsichtigt. Das kann ich aber nach so langer Zeit nicht mehr beurteilen. Aber in der Tat gefällt mir das so auch nicht richtig. Ich schaue mal, ob ich die Zeit finde, das irgendwann zu glätten. Damals hatte ich übrigens gerne ein ungewöhnliches Muster (das hier aber nicht Anwendung fand). Habe gerne V1, 3, 5 usw. mit betonter Silbe begonnen und abgeschlossen und V2, 4, 6 usw. mit unbetonter Silbe abgeschlossen (oder halt umgekehrt). Also so:

xXxXxXx
XxXxX
xXxXxXx
XxXxX

Dadurch konnte man das ganze Gedicht wie einen langen Vers lesen, wobei sich Hebungen und Senkungen immer abwechseln. Also so:

xXxXxXxXxXxXxXxXxXxXxXxX

Davon bin ich irgendwann abgekommen, weil es schwierig ist, es richtig zu lesen, wenn man meine Logik dahinter nicht kennt (wenn man die Logik allerdings versteht, liest es sich ganz angenehm).

besonders gut gefällt mir das *lass mich doch nicht gehen!* die akivität liegt hier ganz bewusst beim LD, das LI legt sozusagen die entscheidung, ob es gehen muss, in die hände des LD. schön!

Gut beobachtet und klasse analysiert! :)
Genauso wirkt es auch auf mich.

LG
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Re: Bitte

#6
Hallo Schmuddi,

mir gefällt das sehr. Es ist sehr gefühlvoll und auch ein wenig schmachtend. Für mich passt das Bild mit den Hüften zwar auch nicht ganz in das sonst so romantische Bild, wodurch für mich das Gedicht aber nicht wesentlich anders wird als es ohne wäre. Sehr schön. :-)
Viele Grüße von Catweazle

Re: Bitte

#7
Danke Cat,

freut mich sehr, dass die Empfindsamkeit trotz der Hüftfokussierung rübergekommen ist. :)
Aber was habt ihr eigentlich gegen Hüften. Ist doch schön intim und so sieht es doch aus, wenn man sich verabschieden muss, aber nicht will, oder? :angel:

LG
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Re: Bitte

#8
Hallo zusammen,

wenn ich mir die Szene id Shilouette vorstelle bzw. das Paar,
dann ist da eben nicht nur Hüft an Hüft
sondern auch Brust an Brust
und Stirn an Stirn und dergleichen mehr,
was sich schmiegen kann und will .

Insofern mag ich auch dieses "Bild" nicht,
da das explizite Herausnehmen und Hervorheben der Hüften
etwas Starres für mich rüberbringt.

lG Lentas
Aus Wolkenschleiern sinken Flocken nieder und dennoch schlägt in meinem Garten leise die Nachtigall (Otomo No Yakanochi)

Die Sterne lauter ganze Noten. Der Himmel die Partitur. Der Mensch das Instrument.
(Christian Morgenstern)

Re: Bitte

#9
OK, verstehe. Wäre vielleicht "Leib an Leib" besser gewesen oder so.
Danke für die Erklärung, Lentas. :)

Warum bist du jetzt eigentlich wieder schwarz? Ich meine deine Namensfarbe. War die nicht vorher so rot oder so?
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Re: Bitte

#10
Hmmm - ich war glaub ich nie farbig ;) .
Weil ich ja immer so neidisch auf die Vielfarbigkeit der WettbewerbsgewinnerInnen bin.
Aber genau weiß ichs nicht.

Leib an Leib ... - weiß ned.
Wäre ausprobierenswert.

lG
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(Christian Morgenstern)

Re: Bitte

#11
Vielleicht nochmal die Chefin fragen...
Ich meine, aufgrund deiner Beitragszahl müsstest du rot sein. Steige da aber auch nicht mehr so genau durch. :lol:

Ja, eigentlich klingt "Leib an Leib" auch nicht so toll. Mal sehen...
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Re: Bitte

#12
ah - okay.
ich wusste gar nicht, dass mensch sich durch die Beiträge farbig machen kann.

Haut an Haut is wiederum auch nix, gell.
Weil die beiden ja angezogen sind.

Herz an Herz ??

lG
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Re: Bitte

#13
"Herz an Herz" - das klingt sehr nach Achim von Arnim: "Herz zum Herzen ist nicht weit"
Ist aber auch wieder sehr partiell. Ach, vielleicht muss man bei so alten Gedichten einfach akzeptieren, dass sie nicht mehr zu retten sind...

ich wusste gar nicht, dass mensch sich durch die Beiträge farbig machen kann.

Hier wird man aus unterschiedlichen Gründen angemalt. Ich bin grün, weil ich noch als Wettbewerbssieger gelte. Wenn WuI das umstellt, bin ich grün, weil ich angeblich Gründer bin. Und wenn man eine bestimmte Beitragszahl erreicht hat, ist man rot. Catweazle ist blau wegen seiner langjährigen Treue, weil er hier im Forum aktiv war, als es eine Geisterstadt war.
Symbole sind wahrhaftiger als Beschreibungen; denn sie transzendieren über das Erlebbare hinaus.

Re: Bitte

#14
Wie wäre es denn mit "Seele an Seele" ? Das würde für mich besser ins romantische Bild passen. "Herz an Herz" würde mir auch gefallen und hätte für mich auch nichts von Achim v. Arnim und selbst wenn... Vielleicht "Herzschlag an Herzschlag".

Viele Grüße von Catweazle

Re: Bitte

#15
warum muss da eigentlich auf ein körperteil bezug genommen werden? man könnte in den armen des anderen verweilen, umschlungen dastehen oder so etwas, was dann *allumfassend* wirkt. wenn schon ein körperteil, dann würde mir am besten stirn an stirn gefallen, weil es sich sehr gut zu den anschließenden blicken fügt (augenhöhe). von der hüfte zu den augen isses ja doch ein stückchen weiter. ;) allerdings würde ich dann auch die zweite strophe ändern und die stirn ersetzen. warum nicht mund an mund in strophe zwei, wäre dann ja auch ein schönes aufgreifen des gestaltungselements von strophe 1. nur so meine gedanken. :)

ich habe übrigens auch mal ein gedicht zum thema abschied geschrieben und die körperliche nähe der liebenden darin so umgesetzt:

abschied

verblasstes graffiti zerschrammt den zement
wir liegen uns stumm in den armen
am grüngelben schild. das morgenlicht brennt
die kreidigen wolken hoch ins firmament
die zeit kennt für uns kein erbarmen

ein flüchtender schatten: die straßenlaterne
wir stehen versunken im kuss
im auge den nachhall verblichener sterne
im ohr die gesänge von trostloser ferne

und dann kommt der bus


lg
grashüpfer

Re: Bitte

#16
warum muss da eigentlich auf ein körperteil bezug genommen werden? man könnte in den armen des anderen verweilen, umschlungen dastehen oder so etwas, was dann *allumfassend* wirkt.

Das sind gute Ideen. Danke. :)
Vielleicht mache ich mich ja doch nochmal daran, wenn ich Zeit und Muse finde...

dann würde mir am besten stirn an stirn gefallen

Nee, das gefällt mir nicht so. Da sehe ich jetzt nicht unbedingt ein Liebespaar.

abschied

Wunderschönes Gedicht! :)
Der Kontrast zwischen Innehalten und Wegmüssen beherrscht die Szene. Der Dreiertakt macht das Gedicht schnell, während die Szene eher unbewegt ist. Es ist wie ein Verharren, während die Zeit davon rennt. Sehr lebendig geschrieben. :thumbup:
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