Re: Regenrausch

#2
Melone hat geschrieben:
11 Jul 2019, 00:20
Es stürzet im Bache

Da kann ich mich nicht so recht mit anfreunden, weder mit ›stürzet‹, noch mit dem Bache.

Ansonsten gefällt mir das Gedicht sprachlich und inhaltlich recht gut. Ich lausche dem Regen, der auf das Dach prasselt, durch das Fallrohr strömt, Autodächer o. ä. erklingen lässt, auch gerne, jedenfalls wenn er eine sommerliche Phase der Trockenheit unterbricht. Wenn es wochenlang regnet, vergeht mir allerdings die Lust, dem Regen zu lauschen.

Re: Regenrausch

#3
hallo Melone
ich finde dein Gedicht sehr schön. Es erzeugt Wohlbehagen.

Wie Plutino stört mich auch der "Sturzel",
etwas jünger und realistischer fände ich:

es stürzt im Bach
das Wasser vom Dach

mit Freude gelesen
Gruß m.c
die dunklen Tage machen die schönen noch schöner
m.c

Re: Regenrausch

#5
Hallo Plutino,
ich freue mich, dass das Regenrauschen bei dir angekommen ist. Stürzet und Bache ist sicher nicht ganz optimal, vielleicht fällt mir ja noch etwas anderes ein.
Danke dir.

Hallo mont claire,
ich freue mich, dass es dir gefällt. Deinen Vorschlag hatte ich auch schon in Erwägung gezogen, doch dann ist der Rhythmus gestört, finde ich. Aber vielleicht findet sich da noch was.
Danke auch dir.

Lieber Gummibaum,
ich freue mich, in dir genau die Stimmung erzeugt zu haben, die ich weitergeben wollte.
Ja, das Wasser stürzt von einem alten Dach und poltert in einem alten Fallrohr hinunter auf einen mit Feldsteinen bepflasterten und inzwischen mit Gras überwachsenen Hof, und schon etwas in die Jahre gekommene Ohren belauschen dieses Ereignis mit Genuss, weil es sie auch an die Kindheit erinnert.
Danke für deine Lesart.

Liebe Grüße an euch Drei
Melone

Re: Regenrausch

#6
Melone hat geschrieben:
11 Jul 2019, 10:36
ich freue mich, dass das Regenrauschen bei dir angekommen ist.

Ja, das ist es. Und das liegt u. a. an der folgenden Zeile:

und rappelt sich polternd durchs Rohr

Sie erzeugt bei mir ein Gefühl von Heimeligkeit. Das Wasser bewegt sich zwar auf dem vorgeschriebenen Weg, aber nicht in vorauseilendem Gehorsam. Es nutzt die Freiheit, die man ihm lässt, hat eine Neigung zum Chaos. In den Verben ›rappeln‹ und ›poltern‹ liegt eine gewisse Kindlichkeit.

---------------------

›stürzet‹: 2. Person Plural, Konjunktiv Präsens. Oder aber eine alternative Form des Imperativs Plural (Stürzt!/Stürzet!). ›Er/sie/es stürzet‹ ist, kein korrektes Deutsch, glaube ich. Aber möglicherweise ist die Form altertümlich oder zumindest irgendwie in der schönen Literatur gut genug belegt.

Und Bach stört mich, weil das Wort wie das Ende folgender Überlegung klingt, die den Reim rechtfertigen soll:

Strömender Regen ist ein Regenstrom. Regen fällt. Es regnet Wasser. Zwischen Fallen und Stürzen gibt es in dem Kontext keinen nennenswerten Unterschied. Wenn fallender Regen ein Strom (ein großer Fluss) sein kann und aus Wasser besteht, dann kann fallendes Wasser ein Bach sein, u. z. auch solches, das durch ein Rohr fällt.

Und normalerweise heißt es ohnehin ›Etwas stürzt‹, aber nicht ›Es stürzt etwas‹. Mit ›Es stürzt etwas‹ ist die dichterische Freiheit fast schon ausgereizt, würde ich sagen. Alles auf einmal klingt jedenfalls überzogen. Die Zeile wirkt gekünzelt und entzieht dem Gedicht ein wenig seines natürlichen Charmes.

Re: Regenrausch

#7
Hallo Plutino,
ich staune mit welchem Eifer du dich mit meinem kleinen Schreibstück beschäftigst. Das ehrt mich. Da es aber nur eine Stimmung transportieren sollte, was offensichtlich gelungen scheint, und nicht in die Weltliteratur eingehen soll, werde ich wohl alles so belassen. Allen recht machen kann man es sowieso nicht. Mir genügt es schon, wenn Gummibaum nichts auszusetzen hat.
Ich danke dir für deinen ausführlichen Kommentar.
LG Melone

Re: Regenrausch

#8
liebe melone,

auch bei mir kam die stimmung deines regenrausches gut an und ich konnte das wohlig-kuschelige gefühl nachempfinden, das man spürt, wenn man dem regen lauschen, aber dabei selbst gemütlich im trockenen sitzen kann.

plutino hat in seinem gut fundierten kommentar bereits erläutert, welche zeile besonders für dieses heimelig-gefühl verantwortlich zeichnet, ich sehe das auch so.

sehr gern gelesen. :)

lg
grashüpfer

Re: Regenrausch

#9
Liebe Melone,
gedanklich saß ich während des Lesens neben dem LI und verfolgte das Rappeln und Rauschen. Aus einer trockenen Position heraus hat es richtig Spaß gemacht. Solange es nicht blitzt und donnert, ist alles gut. ;)

Sehr gerne gelesen.

Liebe Grüße
Dabschi
Man trägt das vergangene Schöne wie ein kostbares Geschenk in sich.
(Dietrich Bonhoeffer)

Re: Regenrausch

#11
Hast du auch keinen gegen Überspannung geschützten Computer?
Weiß ich nicht. Mein Mann schläft schon, der Deine Frage beantworten könnte.
Man trägt das vergangene Schöne wie ein kostbares Geschenk in sich.
(Dietrich Bonhoeffer)

Re: Regenrausch

#12
Lieber grashüpfer, liebe Dabschi,
ich freue mich riesig, dass auch ihr mit meinen »Regenrausch« etwas anfangen konntet.
ln modernen Häusern hört man so etwas ja nicht mehr. Ich bin froh diese Gemütlichkeit noch genießen zu können.
Vielen Dank für eute netten Kommentare.
Gute Nacht
Melone
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