Achrostichon

#1
Feuersalamander lieben
eigne dunkle Räume.
Ungebändigt leben sie,
eingewebt in Träume.
Reisen dort als Feuergeister
sprühen mit Ideen,
ausgewogen sind sie Meister,
lautlos schnell im Sehen.
Ausgewachsne Erdendrachen
mögen es zu scherzen,
ab und zu, wenn sie erwachen
niesen sie in Terzen.
Denken sich in dunkler Räume
Elementenlauf,
Räumen zwischen alter Last und neuen Träumen auf.

Re: Achrostichon

#3
Lieber gummibaum,

es ist eibe bunte Mischung, die herauskam, als ich ein Achrostichon schreiben wollte.
Ich hatte von einem Salamander geträumt und wenn ich von Tieren träume schaue ich gelegentlich nach, welche Eigenschaften diesem Tier zugesprochen werden. Die ließ ich mit in das Achrostichon einfließen. Ein paar atmosphärische Erinnerungsströmungen von
E. T. A. Hoffmanns goldenen Topf kamen vage hinzu und so kam es zu dieser Mischung aus Form und sich einstellenden Ideen.

Es freut mich, dass es dir gefällt.

Lg,
Serpentina

Re: Achrostichon

#4
Liebe Serpentina,

ein Achrostichon zu schreiben ist nicht so ganz einfach und wenn es sich dann auch noch reimt, dann ist es perfekt. Bravo! :thumbup:
Ich versuchte mich auch schon mal und meine Nerven lagen irgendwann blank. :mrgreen: Aber ich hatte es hinbekommen - muss mal in meinem Archiv suchen. ;)

Liebe Grüße
Dabschi
Man trägt das vergangene Schöne wie ein kostbares Geschenk in sich.
(Dietrich Bonhoeffer)

Re: Achrostichon

#5
Liebe Dabschi,

ja, die Form hat es in sich. 😯 🙂
Ich würde gerne deines lesen. Wenn du/oder auch jemand möchte, kannst du gerne hier dein A. einstellen. (Ist nur ein Vorschlag, vielleicht ist dir ein eigener Faden auch lieber.)

Ich hatte mich mal an einer Achrostichon-Robinsonade versucht. Da hing ich auch eine ganze Weile auf der Gedankeninsel fest, bis mich eine kleines Boot mitnahm.


R esigniert, verschränkt mit Hoffnung
o hne Status oder Krone, lebt er
b leich in seinem Reich.
I real, real zugleich,
N ame, Zahl im Sand verblassen.
S uchend ritzt er jeden Morgen,
o rdentlich mit spitzem Stein,
n ach jeder Nacht sein Dasein ein.

Lg,
Serpentina

Re: Achrostichon

#6
Liebe Serpentina,
Ich würde gerne deines lesen. Wenn du/oder auch jemand möchte, kannst du gerne hier dein A. einstellen. (Ist nur ein Vorschlag, vielleicht ist dir ein eigener Faden auch lieber.)
Gerne poste ich hier meine Akrostichons. Boah, wie schnell man alles vergisst. Beim Stöbern habe ich nämlich festgestellt, dass ich schon mehrere schrieb.
Hier mein erstes, nachdem ich lange Zeit dachte, dass ich sowas nie hinbekommen werde …(habe ich bei Poetry nachgelesen. Dabei habe ich übrigens auch Dich entdeckt, aber da war ich dort schon weg. ;) )

A lso, ich will was beweisen.
K annst Du ahnen was es ist?
R und herum Gedanken kreisen,
O hne Ahnung, so ein Mist.
S uchen, finden und verwerfen,
T üfteln bis der Schädel raucht.
I ch brauch richtig starke Nerven,
C haoskopf, ich bin geschlaucht.
H eimlich schleicht die Muse-Laune,
O effnet die Blockadetür.
N un fließt „Dichtstoff“ und ich staune.

Mein zweites:

J a, wer könnte sie denn schon vergessen?
U nbekümmert denkst Du gern zurück.
G eil der erste Kuss, Du warst besessen,
E ngelsgleich schoss Amor uns ins Glück.
N iemals wolltest Du sie je verlieren,
D och dann kam der allererste Streit.
L iebeskummer ließ die Seele frieren,
I rgendwann die Trennung mit viel Leid.
E inst noch jung, verliebt und unerfahren,
B ist Du nun erwachsen schon seit Jahren.
E wig bleibt im Kopf die Jugendzeit.

Und hier versuchte ich mich an ein Akrostichon-Sonett:

R egierte gestern noch die liebe Sonne,
E rtranken heut die Blumen auf dem Beet.
G enervt vom Wetter wettert der Poet:
„E in Regentag vergrault doch jede Wonne.

N un lass Dich, liebe Sonne, nicht bedecken.
W arum schiebst Du die Wolken denn nicht fort?
E rinnre Dich, der Frühling ist vor Ort.
T rau Dich heraus, Du brauchst Dich nicht verstecken.“

T atsächlich aber muss er damit leben.
E s regnet und der Dichter ist jetzt still,
R omantikzeit und er bleibt Drinnen kleben.

T ermingerecht steht draußen schon der Grill.
A pril, Dein Wetter ist total daneben.
G rundsätzlich macht es immer, was es will.

Ich hatte mich mal an einer Achrostichon-Robinsonade versucht. Da hing ich auch eine ganze Weile auf der Gedankeninsel fest, bis mich eine kleines Boot mitnahm.

R esigniert, verschränkt mit Hoffnung
o hne Status oder Krone, lebt er
b leich in seinem Reich.
I real, real zugleich,
N ame, Zahl im Sand verblassen.
S uchend ritzt er jeden Morgen,
o rdentlich mit spitzem Stein,
n ach jeder Nacht sein Dasein ein.
Finde ich auch total super. :thumbup:

Hoch lebe der Akrostichon-Faden. Ich hoffe auf rege Beteiligung.

Liebe Grüße
Dabschi
Man trägt das vergangene Schöne wie ein kostbares Geschenk in sich.
(Dietrich Bonhoeffer)

Re: Achrostichon

#7
Hallo Dabschie,

wow!!!!
Danke für diese Achrostichaperlen. Sie gefallen mir sehr.
Du hast die Form meisterlich mit Inhalt und Witz gefüllt und dann noch als Sonette?
Chapeau!! 👍🌴

Lg,
Serpentina

P. S. "Nun fließt der" Dichtstoff" und ich staune!"
Klasse! Das gefällt mir besonders gut.

Re: Achrostichon

#8
Dein „wow!!!“ gefällt mir, liebe Serpentina. Vielen Dank dafür. Ich empfand es als sehr motivierend und habe mich gleich heute nochmal mit einem Akrostichon beschäftigt und nun qualmt mir der Schädel. :mrgreen: Aber immerhin habe ich es einigermaßen hinbekommen.

Ich war schon mit dem Wochenendputz beschäftigt, aber gedanklich konnte ich nicht abschalten und immer, wenn mir etwas einfiel, rannte ich zum PC, um meinen Gedanken festzuhalten … :lol:

Liebe Grüße
Dabschi

Und hier mein nagelneues „Sommerfreude-Akrostichon“:

S trandtag mit der ganzen Bande,
O ma cremt sie alle ein.
M ia buddelt schon im Sande,
M ama sucht den Gänsewein.
E mil ruft: „ich gehe baden“,
R ennt ins Meer mit Übermut.
F reundin Kim von Kopf bis Waden
R astet in der Sonnenglut.
E nergie spürt Papa Krause
U nd er spielt mit Emil Ball.
D unkel wird’s bald, ab nach Hause.
E s war toll auf jeden Fall.
Man trägt das vergangene Schöne wie ein kostbares Geschenk in sich.
(Dietrich Bonhoeffer)

Re: Achrostichon

#9
Dabschi hat geschrieben:
11 Jul 2019, 22:18
Ich empfand es als sehr motivierend und habe mich gleich heute nochmal mit einem Akrostichon beschäftigt und nun qualmt mir der Schädel. :mrgreen: Aber immerhin habe ich es einigermaßen hinbekommen.

Ich war schon mit dem Wochenendputz beschäftigt, aber gedanklich konnte ich nicht abschalten und immer, wenn mir etwas einfiel, rannte ich zum PC, um meinen Gedanken festzuhalten … :lol:


Hallo Dabschie,

wie schön, das freut mich aber.
Ich finde nicht nur dein Achrostichon, mit dem lebendig beschriebenen Famlienausflug am Strand sehr gelungen, sondern auch die Idee, den Wochenendputz auf den Donnerstag und zwischen die Zeilen eines Achristichons zu verlegen. Das hat was. Auf lockere Art und Weise macht sicher dieser einfach aus dem Staub.

"Wo ist der Wochenendputz?"
"Ähm, keine Ahnung, ich habe ihn nicht gesehen. Ich war wohl zu beschäftigt mit Schreiben und Putzen."

👍 :D


Lg,
Serpentina

Re: Achrostichon

#10
"Wo ist der Wochenendputz?"
"Ähm, keine Ahnung, ich habe ihn nicht gesehen. Ich war wohl zu beschäftigt mit Schreiben und Putzen."

👍 :D
Jepp :thumbup: :D

W ieder steht das Wochenende,
O h mein Gott, vor meiner Tür.
C hillen? Ne, der Staub von neulich
H ängt schon wieder rum bei mir.
E berhard, der flotte Sauger
N ascht die Körnchen alle weg.
E r ist fleißig, ohne Frage,
N un steht er am alten Fleck.
D onnerstags wird schon begonnen,
P utzen ist dann angesagt
U nd am Freitag kommt Herr „Feinputz“
T ja, er geht auf Lupenjagt ... :hihi:
Z bleibt übrig, tut mir leid (bleib noch stehen hier für Zeit )
(die man am WE nicht mit Putzen vergeuden muss ;) )
Man trägt das vergangene Schöne wie ein kostbares Geschenk in sich.
(Dietrich Bonhoeffer)
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