Herbstlicher Wille

#1
Nun sind sie wieder da, die kühlen Tage,
mit denen sich der Herbst ins Leben drängt.
Ich spüre, wie mein Himmel sich verengt
und ich im Willen flau bin und verzage.

Es geht dem Willen wie dem Blatt zur Neige:
Vom Grün verlassen und im Innern wund
verbirgt er erst die Ohnmacht, färbt sich bunt
und fällt zuletzt doch ohne Halt vom Zweige…

Re: Herbstlicher Wille

#2
Lieber gummibaum,

ein sehr schönes Stück Herbstlyrik.
Bunt wie seine Blätter, trägt der Herbst verschiedene Aspekte in sich. Du hast hier gekonnt das dunkle Blatt der Depression gewählt.
Das Grün, ich deute es an der Stelle als Farbe der Hoffnung, verfärbt sich wie ein Phönix, der hier jedoch endgültig zur Asche wird, so dass der Leser ins Bodenlose der Hoffnungslosigkeit fällt. Ungebremst und so mitnehmend, dass ich hier wie sooft fasziniert vor dem stehe, was sprachliche Bilder vermitteln können, ohne dass ich das je vollständig begreifen werde.
Gerne fühle ich manches nicht. Wer atmet nicht auf, wenn sich die Schwermut wieder verabschiedet und der Phönix doch wieder, trotz mancher Befürchtung, sein Gefieder schüttelt. Dennoch ist das Gute an Lyrik, dass auch schwierigen Momente und Aspekte angeschaut und anrühren dürfen. Das gehört für mich zum Menschsein dazu.

Die guten Aspekte nicht vergessend grüsst,
Serpentina

Re: Herbstlicher Wille

#3
Wieder ein sehr einfühlsamer Kommentar von dir. Vielen Dank, liebe Serpentina.

Ja, das Blattgrün entspricht der Hoffnung. Und ja, manche Sprachbilder können uns leicht in weite innere Räume führen, die sonst nur schwer zugänglich sind. Ein wesentliches Merkmal guter Lyrik.

Dir einen schönen Tag.
Grüße von gummibaum
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