Sternenkind

#1
Es fühlt die Tage sich umrunden,
In letzter Nacht sind sie verschwunden.
Weiche Gesichter in der Ferne
Warten am Firmament der Sterne.

Es sieht die Welt in ihren leisen
Und denoch steten Kreisen kreisen
Und ihrem Rund folgt jeder Sinn:

Ein jeder Augenblick
Öffnet und schließt sich,
Erblüht und scheidet dahin.

Und in erwachenden Momenten,
In schlummernden Blicken, im Schlaf,
Vermeint es sich selbst zu erkennen.
Den Wimpernschlag lang,
Den es nie erlebte.
„Bäume sind Gedichte, die die Erde in den Himmel schreibt.“ -Khalil Gibran

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Re: Sternenkind

#2
Hallo WuI,

obwohl das Thema recht ernst ist, wirkt das Gedicht ganz sanft und beruhigend, fast als dämmerte irgendwo außerhalb der Fruchtblase die Welt. Und dazu dann diese Adjektive wie "weich" und "rund", mit denen man es sich gemütlich machen könnte. Erst fand ich das ein bisschen seltsam, aber ich denke, dass man so dem inneliegenden Widerspruch zwischen Geburt und Tod näherkommt. Dazu passt dann auch die bemerkenswerte Paradoxie, auf die alles hinausläuft und die gewissermaßen mit dem letzten Wort die Schwere des Titels wieder zurückbringt:
Vermeint es sich selbst zu erkennen.
Den Wimpernschlag lang,
Den es nie erlebte.
Auf dem Weg dahin bin ich auch gerne bewundernd an dieser Formulierung stehen geblieben:
Ein jeder Augenblick
Öffnet und schließt sich,
Erblüht und scheidet dahin.
Das gilt ja gewissermaßen grundsätzlich (und wäre auch alleinstehend ein schöner philosophischer Ausspruch), aber vor diesem Hintergrund bekommt das noch eine andere Note; kann es gerade nicht erklären, aber ich finde es gut geschrieben.

LG
Symbole sind wahrhaftiger als Beschreibungen; denn sie transzendieren über das Erlebbare hinaus.
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