Re: Schreibanlässe und Inspirationsquellen

#26
Hallo nochmals m alias Eisenvorhang,

ich war mehrere Jahre im Lyrikzirkel unsere Wohnsitzlosenzeitung dabei. Wir trafen uns einmal monatlich und es gab den schönen Nebeneffekt, dass ich doch öfter mal ein Gedicht von mir in dieser Zeitung lesen konnte. Von Bekannten , Kolleginnen u.a. auf meine Gedichte angesprochen worden bin.
Das ist nochmal einen Tic anders, als in Foren zu schreiben, weil es mit dem persönlichen Lebenalltag mehr zu tun hat.

Ja, Geld verdienen wird sich wohl keines lassen -- so schätze ich mein Talent auch ein. Die einzige Möglichkeit wäre es, mM nach lyrik auf Bilder und / oder Fotos zu präsentieren. Denn : Lyrik kaufen die Menschens nach wie vor nicht, auch wenn es en vogue ist, "seinen" Rilkibilki zu kennen :lol: . Aber ein kurzer zu Herzen gehender Vierzeiler an der Wohnzimmerwand, das käme an , so meine Einschätzung.

Und abgesehen davon ist Lyrik Herzenssache, ja.
Mir hilft sie , meine aufgewühlten Emotionen öfter mal zu klären oder Frieden zu finden , Ordnung in meine Gedanken.

Was ich damit meine, hat gummibaum ganz hervorragend hier beschrieben
viewtopic.php?f=5&t=5615&p=45185#p45185

lG Lentas
Wo ist der Glanz, wo das Licht in der Welt
wenn draußen das große Dunkel fällt?
Wo ist das Herz, das singt in der Nacht?
Wer hat den Funken nach Haus gebracht?
@Lentas

Re: Schreibanlässe und Inspirationsquellen

#27
@Lentas

Sowas würde ich mir hier auch wünschen - gibt es aber nicht.
Habe schon mal überlegt einen Kurs bei der VHS anzubieten.

Ich begreife das Thema rationaler glaube ich.
Wichtig ist es, zu wissen, was man erreichen kann und dazu gehört eine Portion Selbstglaube und auch Selbstvertrauen.
Da gab's mal einen Obdachlosen in Amerika, der sein letztes Geld in ein eigenes Shampoo investiert hat und heute einer der reichsten Friseure weltweit ist...
Wie hieß der nochmal? Da gab's mal ein Interview, das ich sehr interessant fand.

Ich glaube Schreiben ist ähnlich wie Zeichnen...
Talent spielt eine unterordnete Rolle. Viel wichtiger ist es, denke ich, wie viel Leidenschaft man hat und wie viel Zeit man in die geliebte "Sache" investieren will.
Und wer seine Ziele zu niedrig steckt, wird auch nicht viel erreichen, wie ich finde.
Picasso sagte mal: "Wenn es keine Mühe macht, wird es nicht gut".
Im Grunde hat jeder erfolgreiche Mensch sich den Arsch abgebuckelt, für das was er erreicht hat.
Von nichts, kommt nichts. Oder? :)

Schau mal: der Engelsdorfer Verlag sitzt in Leipzig. Da kannst du 99€ investieren und hast dann dein eigenes Buch, das du auch überall verkaufen kannst, mit eigener ISBN.
Und es gibt schon Autoren, die Geld verdienen, wie Jan Wagner...
Ich sehe ihn mehr als lyrischen Picasso und seine Essays sind auch toll.

Auch gibt es eine Person, die einen Lyrikbot programmiert hat und auf Instagramm ist (ich finde das ist Lyrik "heute" oder zeigt jedenfalls eine Tendenz):

https://www.instagram.com/eloquentron3000/

Aber auch existieren viele Nachwuchs-Autoren, die sich leider fern von allen Foren bewegen.
Da gibt es viele in Heidelberg, glaube ich... (Dichterkollektiv Kamina und echolot) usw. usf.

Ich denke schon, dass es für ausgefallene Ideen öffentliche Räume gibt, die sich subventionieren lassen.
Und hier greift das neuzeitliche Syndrom!
Hab Talent im Vermarkten und im Dich-selbst-verkaufen und du kannst Kacke für 200€ das Gramm verkaufen.
(vgl. Stichwort "Piero Manzoni")

Oder das hier: https://www.facebook.com/watch/?v=276423023001700

Geld lässt sich vor allem leichter verdienen, wenn man überall sehr beliebt ist und Menschen den Drang verspüren mit Geld dich beschenken zu wollen. In dem sie a) deine Produkte kaufen oder b) Dank zollen wollen.

Sowas ist unter anderem ein Grund warum ich mit "Kunst" gebrochen habe.

Du kannst "Peter Patrick Pensen" heißen und deinen Penis für 72 Stunden in eine Weinflasche stecken und es "Performance nennen".
Die Kuraturen vermarkten das dann wie folgt:

„Und das macht Peter Pensen mit hoher Intensität und Intelligenz, vor allem aber mit Gespür und Neugierde für die Kontext- und Bedeutungsverschiebungen unserer Gedächtniskultur.“

Und alles was früher Meisterhandwerk war... Verkommt zu einer missratenen Idylle des Kunsthandwerks.

Re: Schreibanlässe und Inspirationsquellen

#28
Hallo Eisenvorhang,

einen Kurs anzubieten habe ich mir auch schon überlegt . Auch im Altenheim oder privat. Was hindert Dich ? Bei mir ist es die Bequemlichkeit .... .

Mag sein, Du gehst das Thema rationaler an - ich denke sehr gefühlsbetont und assoziativ, das ist nicht immer ein Vorteil. Allerdings ist es bspw. beim Malen für mich nicht der Selbstbewusstseinsanteil, der mich da "hält" und fördert, sondern da ist es die pure Lust an der Freude und am Selbstausdruck.
Mich selber fordern tue ich zu wenig. Das hast Du gut erkannt.

Ja, von nichts kommt nichts.

Danke für den Hinweis auf diesen Verlag in Leipzig -- den können wir vllt. gut verwenden ,wenn wir unser Pantun-Büchlein herausgeben .

Dass Kacke für 200 Euro / gramm über die Ladentheke geht bei guten Vermarktungskonzept, ist klar.
Das ist so neuzeitlich nicht, finde ich.

Ich wohnte mal vor so 25 Jahren in einer WG . Und da Freddy Quinn eine meiner unerklärlichen Leidenschaften ist, spielte ich ihn auch dort - tw. bei geöffneter Zimmertüre. Laut und mit Temperament. Meinerseits.
Meine Mitbewohnerin ertrug es. WEnn aber Besuch kam, dann wurde sich geschämt , was das Zeug hielt, für so eine irrationale Sängerin wie mich. Freddy Quinnn .
Alter Hut, nostalgisch, für die Weiber über 60 usw. . Aber lass mal heute einen guten Marktstrategen an den Freddy ran und ihn mit der Jugend zusammenschweißen wollen. Schon morgen sieht man überall Freddy Quinn Apps .... und seemännisch gewandete Mittzwanziger auf den Discotanzflächen der Städte rumhoppeln. *seufz*. Leider kann ich nicht vermarkten ...nichtmal mich selber.
Dass der Kunstmarkt vollkommen gaga ist und die Menschen tw. ihr Hirn an der Eintrittspforte abgegeben haben, ist mir klar. Auf FB gibts ne Künstlerin, die macht immer das Gleiche an Bildern .... die schauen aus wie ein Ei das andere .... Farbe, die runterläuft ..... Eines davon ist ja mal ganz nett. Aber anscheinend hatte sie einen Kackeumwandler und die Leute huldigen ihr tausendfach.

Deine Erzählung vom Penis in der Flasche geht in die nämliche Richtung.

Geld lässt sich vor allem leichter verdienen, wenn man überall sehr beliebt ist und Menschen den Drang verspüren mit Geld dich beschenken zu wollen. In dem sie a) deine Produkte kaufen oder b) Dank zollen wollen.

Hmmm -- das wäre ja was, wenn die Leute den Drang verspüren würden, mich mit Geld zu beschenken .... *lol* .... . Ich werde dran arbeiten.

lG und ich gebe Dir Nachricht, wenn ich in der VHS eingeloggt bin ...oder mir die Leute die Fuffziger auf der Straße hinterherschmeißen, wenn ich das Haus verlasse ...

lG Lentas
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@Lentas

Re: Schreibanlässe und Inspirationsquellen

#29
Zu deiner Frage, liebe Lentas - ich wäre ein absolut unfähiger Lehrer.
Ich besitze viele schlechte Charaktereigenschaften, die mich als pädagogische (und in dem Sinne öffentliche) Person im Rahmen der VHS disqualifizieren würden.

Und ganz schlimm ist meine Hobbymacke... Ich lerne etwas, was mich interessiert oft bis ins Detail sehr leidenschaftlich und wenn ich es kann, langweilt es mich und es muss was neues her... In der Schule war das eine absolute Katastrophe...

Warten auf Mitschüler mündete in Verweigerung im Unterricht oder am "Ball-bleiben" in Aggression und Schwänzerei.
Das verfolgt mich bis heute noch beruflich. Im Team zusammenarbeiten? Nope.
Da gibt es nach kurzer Zeit Ärger, weil ich Probleme anders löse als andere.
Und da stehe ich oft alleine da.

Mit Autoritäten komme ich auch nicht klar. Im Moment habe ich wieder einen Teilzeitjob, in dem bin ich sehr gut bin und geschätzt werde... (ich sitze jeden abend im homeoffice allein vorm PC) und leiste qualitative Arbeit ala Fließband.
Aber viel Geld lässt sich damit nicht verdienen.

Kurzum, neben paar schönen Charaktereigenschaften, auf die ich sehr stolz bin, gibt es nicht sehr viel, was ich anderen als Lehrer bieten könnte.


Wenn ich im Leben für mich bleibe, bin ich glücklich, weil ich alles in meinem Tempo machen kann und auf niemanden angewiesen bin oder warten muss.
Das klingt sehr egoistisch, erspart aber beiden Parteien im Umkehrschluss viel Ärger. Ich lerne aus Erfahrung...

Habe viele Jahre versucht mich dem System zu beugen, habe versucht angepasst zu leben. Den Anderen zu liebe, um Widerstände zu minimieren...
Nope, geht nicht.

Seit ich so lebe, wie ich will bin ich glücklich.

Außerdem sind meine Fähigkeiten noch nicht ausgereift genug. Ich müsste erst die Meisterschaft absolvieren, bevor ich irgendwas vermitteln sollte. Das würde aber zwei weitere Jahre des kontinuierlichen Übens bedeuten... Das ist mir aber die Lyrik nicht wert. (Auch wenn mein Herz für den sang- und tonhaften Vers schlägt, der die Seele rührt und weniger den Verstand; so viel zum Thema Rationalität... )


vlg matze

Re: Schreibanlässe und Inspirationsquellen

#30
Hallo Matze,

ich kann "gute" Autorität anerkennen. Also Autorität, die nicht aufgrund von "Macht-über-jemanden-haben" besteht und darauf pocht, komme was wolle,
sondern einfach eine Person, die einem hierarchisch übergeordnet ist, weil nunmal jemand die Ansprechpartnerin sein muss und letztendlich "den Kopf hinhalten", wenn etwas verbockt wird.

Mit den üblichen Unterordnungsspielen tue ich mich auch sehr schwer.
Im Grunde müsste ich , wie Du, selbständig arbeiten. Habe das leider zu spät erkannt -- und nun ist es mir zu anstrengend, nochmal "die Spur" zu wechseln.
Von den Selbständigen, die ich kenne, höre ich oft, wie unglaublich aufwendig das in den ersten Jahren ist.

Im eigenen Tempo und Rhythmus arbeiten, wie Du anklingen lässt, brauche ich auch dringend. Den Göttern Dank habe ich aktuell eine sehr gute Chefin - eine Frau, wo "Gemüt" noch was wert ist und diese Wertschätzung durchzieht die ganze Einrichtung. Wenn ich krank bin , dann kommt ein warmherziges "Bleib daheim und kurier Dich gut aus" statt "Danke allen, die trotz Fieber durchgehalten haben " (wie in meiner letzten Arbeitsstelle , wo Durchhalten die Parole der vollkommen leistungskranken Chefin war und die KollegenInnen allen Ernstes mit Fieber und halben Lungenentzündungen in die Arbeit kamen. Da war ich die böse böse egoistische Außenseiterin )

Ich finde es Klasse, sich selber so gut zu kennen, dass man_frau nach diesen Bedingungen lebt . Schön, dass Du das für Dich herausfinden konntest und glücklich sein kannst. Das ist Eigenliebe , so finde ich.

Bzgl. "rational" -- ich schrieb nicht über Deine Dichtung , die kenne ich viel zu wenig. Ich erinner mich aktuell nur an ein Gedicht, das "Auf dem Berg" spielt udn das mich sehr angesprochen hat.
Das Wort hattest Du ja in das Gespräch eingeflochten, indem Du meintest, Du gehest das Thema rationaler an .Ich habe Dich da lediglich bestätigt :) - meine ich jedenfalls.
Oder überseh ich grade irgendwas ?

Liebe Grüße
Lentas , die das ganze Wochenende arbeiten musste ausnahmsweise und nun redlich erschöpft ist
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@Lentas

Re: Schreibanlässe und Inspirationsquellen

#31
Ja, aber gute Autoritäten existieren nur selten. Sei sehr froh darüber, dass du so ein gutes und wohltuendes Umfeld besitzt!

Ich persönlich kenne nur eine und von ihr habe ich gekündigt, weil mein Körper die Arbeit nicht mehr vollrichten konnte.
Die hatte volles Verständnis, wollte mich aber behalten. Die Arbeit war nicht anspruchsvoll, eher starres ordnen von Datenbanken.
Dabei stumpfte ich völlig ab und war jedesmal richtig gereizt, als ich daheim ankam. Irgendwann reagierte mein Körper autonom mit Durchfall, Neurodermitis, Zittern etc. auf den Stress.

Meine Erfahrungen basieren nur auf Macht versessene Narzissten oder Pädagogen, die mir die Normalität der Gesellschaft aufdrücken wollten, aber nicht erkannten, welche Probleme sich in mir bündelten oder wie es vielleicht besser gewesen wäre mich adäquat zu integrieren.
Jetzt weiß ich das natürlich und befinde mich auch in guten Händen und es existiert auch keine Lücke in meinem Lebenslauf. Habe bis 31. Lebensjahr gelernt und studiert (klavierbau, wirtschaftsinformatiker, physiotherapeut, kunststudium) (und zwischendurch immer wieder Abiversuche oder Fachoberschulversuche)

Dass die Arbeitsumgebung schwer an Destruktivität erkrankt ist, belegen nicht nur die Auswertungen der Einreichungen der Krankenscheine im Krankenkassensystem...
Ich weiß nicht, wie Menschen in einer solchen Umgebung überhaupt noch existieren respektive arbeiten können.

Als ich noch studiert habe, dass war damals in Leipzig... Ich weiß noch, der Sommer 2015 war so übel heiß... Wie da Leute überhaupt zurechtkommen und sogar noch Überstunden pressen können. Ich müsste mich eine Woche dazu zwingen und danach riefe die Psychiatrie.
Meine Emotionalität wäre dann wien Stück Kohle.

Was meine Dichtung angeht, nur kurz umrissen:

Ich hab als Kind geschrieben. Habs sein lassen, weil ich deswegen gemobbt wurde (Habe also Lyrik gegen Bierflasche eingetauscht um cool zu werden) und habe 2017 mit dem Schreiben wieder angefangen und wollte es richtig lernen (metrik, formen etc), dann aber ein Jahr pausiert, weil meine Mutter schwer erkrankte und dann irgendwann 2018 damit weiter gemacht.
Habe sehr viel geschrieben, würde locker für paar Bände reichen.
Dann habe ich wieder vieles vernichtet, weil es einfach Schrott war. Das war damals so ein hin und her.
Getrieben zwischen Zwang, Hass und Liebe fürs Wort.

Es gibt Gedichte, die mir viel bedeuten, in denen ich viel Mühe stecke, aber auf Lob darf ich dann nicht aus sein. Außerdem sammle ich groteske Begriffe zu einfachen Wörtern wie "Licht" oder "Essen". Das bereitet mir sehr große Freude.

Beispiel: "Architektur"

-> / Produkte einer urban-organischen Evolution: Schneckenstädte, Amöbenstädte, Quallenstädte, Wurmstädte und eine uferlos wachsende Stadt aus zähflüssigem Nervengewebe /
\ Wohntürme aus pinkfarbenem Licht \ das Gehirn der Stadt entpuppte sich als genetisch verbesserte Ziege \ über der Stadt hing ein Polarlicht aus kollektiver Empörung \

...und im Moment schreibe ich nur für mich und die Schublade - hin und wieder Spontanlyrik, eher ein einmütiger Fließtext, über den ich nicht nachdenken muss (für mich befreiend)

Fällt mir jetzt watt ein?

So 'n Zeug halt...

ich werde alt und ich muss modern
die frau ist weg und nimmt den franz,
mein wohl spür ich in flammern lodern -
dazu kommt noch: ich hab nen kleinen schwanz!

mein vater war ein schlechter mann,,
der immer schrie, "was ich nicht kann" -
die mutti meinte es nur gut,
nun fließt das fett durchs blaue blut.

auf offnen feldern blühn die blumen
die sonne wärmt den farn im wald,
die schwäne schnappen nach den krumen,
und nach dem warm-seinn wird es (wieder) kalt.

gesundheit ist mir fremd, bin krank,
und für die pillen brauch ich kohle -
(doch liegt die selbsterhaltung schon im schrank),
der tod brennt "Zinsen" in die sohle.

:hihi:

Re: Schreibanlässe und Inspirationsquellen

#32
Hallo Eisenvorhang alias Matze

Deine Kritik an der Arbeitswelt sehe ich ganz genauso.
Die Menschen leisten Übermenschliches und es wird immer krasser statt besser.

Deine Erfahrungen mit Pädagogen zeigen einfach auch, dass Pädagogen tw. nach Schema "f" arbeiten. Es gibt Vorgaben, es gibt Schemata, es gibt Kostenpläne. Individualität ist weniger gefragt, denn je.
Eine Freundin von mir arbeitet mit psych. kranken Jugendlichen. Sie arbeitet hervorragend und sehr individuell. Erzielt gute Fortschritte. Nach einigen Jahren kündigen die Kostenträger ihr dann regelmässig, weil die Zeit, die für "Heilung" veranschlagt ist, ausgereizt ist. Seele und seelische Vorgänge sind mit Wochentagen und Jahreszahlen nicht kompatibel . Aber erzähl das mal Herrn Meyer von der Rentenversicherung, der im Wohnzimmer schlafen muss, weil seine Frau ihn nicht mehr will und den sein Chef verachtet, weil er eine Stimme im Sopran-Bereich sein eigen nennt. Der tritt , wo er nur kann und hält seine Vorgaben rapide ein.

Es gibt in allen Bereichen Menschen, die einfach stur nach Vorgabe ihre Arbeit tun und dann gibt es die, die ihre Aufgabe mit Leben, Lebendigkeit und Liebe füllen. Dinge möglich machen, die unmöglich schienen, wirklich helfen, weil sie sehen, was von Nöten ist.

In meinen Jahren des Alleinerziehens, wo ich tw. rumgeschubst worden bin von Verordnung zu Zielvorgabe zu Geht-nicht, habe ich von beiden Sorten einige Menschen kennenlernen dürfen _ müssen.
Und auch während meines Tuns im sozialen Bereich habe ich Kolleginnen ohne jegliche Einfühlung in andere Lebenskreise kennengelernt. Die tatsächlich nachmittags baden gingen (wir hatten durch einen sehr laxen Chef die Möglichkeit dazu), während draußen die Arbeitslosen, die sie betreuten, auf eine Vermittlung in eine Praktikumsstelle warteten, was ein Sprungbrett in eine "neue Existenz" bedeutete, damals ....

Dein Lebenslauf liest sich vielfältig :) .

Produkte einer urban-organischen Evolution: Schneckenstädte, Amöbenstädte, Quallenstädte, Wurmstädte und eine uferlos wachsende Stadt aus zähflüssigem Nervengewebe /
\ Wohntürme aus pinkfarbenem Licht \ das Gehirn der Stadt entpuppte sich als genetisch verbesserte Ziege \ über der Stadt hing ein Polarlicht aus kollektiver Empörung \


Dieses Architekturbeispiel von Dir lässt viele Bilder in mir entstehen, futuristische, expressionistische.
Ich würde gerne mehr davon lesen - es ist sehr eigenwillig und interessant. Danke fürs Zeigen.
Desgleichen gefällt mir Dein kleines Gedicht gut.

lG und einen schönen Tag
Lentas
Wo ist der Glanz, wo das Licht in der Welt
wenn draußen das große Dunkel fällt?
Wo ist das Herz, das singt in der Nacht?
Wer hat den Funken nach Haus gebracht?
@Lentas

Re: Schreibanlässe und Inspirationsquellen

#33
Lentas hat geschrieben:
Ich würde gerne mehr davon lesen - es ist sehr eigenwillig und interessant. Danke fürs Zeigen.
Desgleichen gefällt mir Dein kleines Gedicht gut.

lG und einen schönen Tag
Lentas
(Mit Anmerkung, die gehören mir, klauen ist nicht, nur als Vermerk für andere...)
Ich nehme an, dass du es gelesen hast.

vlg :) (und schön, dass es gefällt)

Re: Schreibanlässe und Inspirationsquellen

#35
Ich weiß nicht, ob das an dieser Stelle hier richtig ist, aber ich denke schon.

Mir fallen Texte und Passagen meistens bei Tätigkeiten ein, in denen ich keine Möglichkeit habe, sie nieder zuschreiben. Zum Beispiel beim Autofahren oder beim Arbeiten (ja, keine Ahnung, eigentlich sollte ich mich da eher auf die Arbeit konzentrieren :roll: ). Danach bekomme ich sie meistens nicht mehr so reproduziert, wie ich sie vorher im Kopf hatte. Das verärgert und frustriet mich stellenweise sehr.

Ergeht es jemandem von euch ähnlich und habt ihr irgendeine Form gefunden, dieses Problem zu lösen? Bzw. wie ist euer Vorgehen wenn ihr Einfälle habt, diese aber nicht zeitnah festhalten könnt?

Liebe Grüße,
Pius
"Mut steht am Anfang des Handelns und Glück am Ende." - Demokrit

Re: Schreibanlässe und Inspirationsquellen

#36
hallo
ich schreibe grundsätzlich zuerst einmal für mich und bin sozusagen zur geistigen Erholung auf dieser Insel.
Schreibanlässe sind für mich Erlebnisse schöner, faszinierender, inspirierender oder grausamer Natur, die in meinem Kopf kreisen, die ich in Worte fassen will. Die Lyrik meiner Mitmenschen kann das auch in mir bewirken, ebenso gute Musik. Das Schreiben und die Gedanken dazu lassen in mir einen Prozess entstehen, der mir, solange er mich fesselt, scheinbar einen tieferen Einblick beschert, bzw. meine Betrachtung verbessert, so als stünde ich auf einem Felsen und kann die Umgebung besser erkennen.

Lentas und XXX: länger als 2 Wochen würde ich nicht mehr mit Bauchweh irgendwo arbeiten. Hab noch 90 Monate bis zum Arbeitsende und lernte, in Vergangenheit viele Gute und sehr viele Arschloch-Vorgesetzte kennen: Betriebsärztin, die die ärztliche Schweigepflicht missachtete und aus Gefälligkeit Informationen an die Direktion weitergab (hab gegen sie eine eidesstattliche Erklärung abgegeben), Vorgesetzte die Personalabbau betrieben, weil sie dem Druck von oben nicht gewachsen waren und dann die Gesundheit und das Leben von Kollegen gefährdeten.
Mein Eindruck so zur Zeitspanne um das Jahr 2000 herum war, das gerade skrupel- und gewissenlose, leicht manipulierbare Personen in Leitungsfunktionen kamen, von den erwartet wurde, dass sie die Ziele der Leitung umsetzen. Flitzpiepen, wie die Von der Leyen z.B
Euren Austausch fand ich klasse und bewundernswert wie ihr das beschreibt. Dunkle Zeiten machen die schönen noch schöner :Jo!:
auf dem Weg grüßt
m.c
Besser ein guter Humor, als ein bösartiger Tumor °°° m.c

"liebe die Liebe und hasse den Hass" *** Christian Bale

Re: Schreibanlässe und Inspirationsquellen

#37
an Pius
nö, mir geht's nicht so. Wenn mir was auf der Seele brennt, in meinem Kopf entsteht, lass ich es einfach wachsen. Ich hatte nie das Gefühl etwas verlieren zu können.
Du solltest dich nicht ärgern und ängstigen, so einen Automatismus starten: .....hoffentlich vergesse ich das nicht.
Da sieht man mal wieder, was schlechte Gefühle anrichten
Wertvolles bleibt bestimmt in dir oder du findest es wieder
wünsch ich dir
Gruß m.c
Besser ein guter Humor, als ein bösartiger Tumor °°° m.c

"liebe die Liebe und hasse den Hass" *** Christian Bale

Re: Schreibanlässe und Inspirationsquellen

#38
Guten Morgen m.c.,

danke für dein Feedback.
Vielleicht sollte ich das tatsächlich von einer anderen Seite her betrachten 🤔
Dennoch sind mir Situationen lieber in denen ich die Möglichkeit habe meine Gedanken und Wortfetzen zeitnah irgendwo hinzukritzeln.

Liebe Grüße,
Pius
"Mut steht am Anfang des Handelns und Glück am Ende." - Demokrit

Re: Schreibanlässe und Inspirationsquellen

#39
Ich schreibe Gedichte und Texte für die Zukunft. Sie sollen möglicherweise, wie viele derzeitige parallel verlaufende Ereignisse auf der Welt, nachträglich historisch beweisen, dass der Intellekt von Frauen dem eines Mannes bei Chancengleichheit in der Bildung und gleichen Rechten in nichts nachsteht und schon vor Jahrhunderten Frauen gleiches hätten vollbringen können, was männlichen berühmten Persönlichkeiten in der Weltgeschichte gelungen ist, hätten sie nur den gleichen Zugang zu Bildung und die gleichen Rechte besessen. Ich hoffe, dass die Institutionen, die das in großem Maße mitzuverantworten haben ihren Anteil an diesem Verbrechen unserer Geschichte eines Tages anerkennen und zukünftig die Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern fördern, sie nicht länger aufgrund von fragwürdiger altertümlich-sexistischer Romantik spalten.

Ja, das ist einer der Gründe warum ich im Moment Gedichte schreibe.
„Bäume sind Gedichte, die die Erde in den Himmel schreibt.“ -Khalil Gibran

Stellt eure Fragen zum Forum gern direkt hier oder unter:
SandraMehr89@googlemail.com

Re: Schreibanlässe und Inspirationsquellen

#41
Müssen - ja, ist bei mir wohl ähnlich. Ich würde das wohl eher so beschreiben, dass ich schreibe, weil ich ein Rad ab habe - das ist bei mir aber ein permanenter Zustand. :lol:

Ich schreibe Gedichte und Texte für die Zukunft. Sie sollen möglicherweise, wie viele derzeitige parallel verlaufende Ereignisse auf der Welt, nachträglich historisch beweisen, dass der Intellekt von Frauen dem eines Mannes bei Chancengleichheit in der Bildung und gleichen Rechten in nichts nachsteht und schon vor Jahrhunderten Frauen gleiches hätten vollbringen können, was männlichen berühmten Persönlichkeiten in der Weltgeschichte gelungen ist, hätten sie nur den gleichen Zugang zu Bildung und die gleichen Rechte besessen.

Ich hoffe doch, dass das in der Zukunft ohnehin niemand bezweifeln wird. Aber wer weiß, manche Vorurteile halten sich so hartnäckig, dass sie sich gerne mal in eine wissenschaftliche Form gießen lassen. Ist in der Vergangenheit ja auch schon mit diversen Rassismen so geschehen.

und zukünftig die Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern fördern, sie nicht länger aufgrund von fragwürdiger altertümlich-sexistischer Romantik spalten.

Ich denke, dass ich im Großen und Ganzen verstanden habe, wie du das meinst und stimme dir zu: alte Vorstellungen von Geschlechtsbeziehungen beinhalten oft eine passive, devote und schuldbehaftete Weiblichkeit und neue Sichtweisen können natürlich durch literarische Werke erlangt werden. Aber könntest du noch mal erklären, was du unter "Romantik" verstehst? Falls du den Epochenbegriff meinst, muss ich einwenden, dass es gerade die Romantik war, in der es den größten Zuwachs erfolgreicher und bis heute namhafter Schriftstellerinnen gab.
Symbole sind wahrhaftiger als Beschreibungen; denn sie transzendieren über das Erlebbare hinaus.

Re: Schreibanlässe und Inspirationsquellen

#42
Schmuddelkind hat geschrieben:
16 Sep 2019, 10:16
Müssen - ja, ist bei mir wohl ähnlich.
Finde das eigtl. generell bei solchen Kreativdingen so, die man ohne externen need macht. Ist einfach ein Drang, so wie Essen usw. Wobei ich so 'ne Art "therapheutisches Schreiben" z.B. anders finde; das ist zwar auch ein Drang, aber ein anderer, mehr eine Art von Drang, sich selbst Klärung/relieve zu verschaffen. Weiß nicht, empfinde das als ein wenig anders. Da geht es auch weniger um ein "Produkt", als mehr um mit sich selbst klarzukommen. Ich will z.B. nur unterhalten oder irgendwas "bieten", das eben für Leute interessant ist. Wie sie das interpretieren usw. ist ihre Sache. Ich habe da keine Intention, irgendwas "wichtiges" mitzuteilen. Mir geht es da letztendlich nur um ein "Produkt", das ich halt cool finde. Bei mir ist da gar nichts therapeutisches dabei. Jedenfalls wäre es mir nicht bewusst. Ich empfinde btw. Prosa/Gedichte in Foren öfter als "therapeutisch" irgendwie, und für mich hat viel davon wenig "Wert" aus "Konsumentensicht". Es unterhält mich nicht, es regt keine (neuen) Gedanken in mir an usw. Halt manchmal wie ein Tagebucheintrag eines Fremden, den ich dann lese.
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