Re: Gedanken zur Seele

#26
Ein gesunder Geist in einem gesunden Körper
Das wäre der Idealfall. Gibt es nur erschreckend selten...

Was wäre mit mir, wenn wir davon ausgehen ich hätte Depressionen? Kranke Psyche. Habe ich dann keine Chance mehr auf einen gesunden Körper?

Würden Medikamente (mit Nebenwirkungen) aus mir dann einen körperlich und geistig gesunden Menschen machen können?

Und was ist mit dem Typen von nebenan mit nem Diabetes typ 1, der ist damit geboren. Muss der deswegen psychisch krank sein?

Interessante Gedanken jedenfalls. ^^

Ps.:
Ich habe mittlerweile einen kranken Körper und eine kranke Seele, obwohl ich gesund geboren bin aber äußere Einflüsse und Menschen haben mich krank gemacht. Ich hatte nie Übergewicht, keine nennenswerten Grunderkrankungen, keine Suchterkrankungen, ich nehme keine Tabletten, verbringe jeden Tag eineinhalb Stunden mit laufen an der frischen Luft, habe genug Sport im Alltag und einen abwechslungsreichen Job. Ich habe nette Kollegen und fühle mich nicht unterfordert. Aber ich habe jeden Tag Schmerzen, und das schon seit mindestens zehn Jahren, in den letzten fünf besonders deutlich und ich werde wohl auch noch die nächsten 50 Jahre welche haben. Jedenfalls muss ich immer darüber lachen, wenn die äußeren Einflüsse, die mich erst krank gemacht haben, mich dann wieder "gesund machen" wollen...

Und über die Kollegen, die sagen: "Na dann machen sie doch mal mehr Sport, dann wird alles besser." Na dann macht mal noch fünf bis zehn Jahre Sport und dann sehen wir weiter...
„Bäume sind Gedichte, die die Erde in den Himmel schreibt.“ -Khalil Gibran

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Re: Gedanken zur Seele

#27
Weiblich&Irre hat geschrieben:
07 Aug 2019, 17:48
Ich habe gerade die erste Impfgegnerin in meinem Leben kennengelernt und verstehe nach ihrer Argumentation nun die Abneigung einiger Ärzte gegen Naturheilkundler etwas besser, wobei ich sie für klug halte, was mein Vorurteil erschüttert hat, dass Impfgegner irgendwie doof sein müssen. o.o

Naturheilkunde oder ›Alternativmedizin‹? Dazwischen besteht, wie in der Diskussion mit Lentas bereits besprochen, ein Unterschied.

Und mit Intelligenz hat das Ganze rein gar nichts zu tun. Intelligenz schützt vor Aberglauben nicht. Der der Esoterik zugeneigte Freund, von dem ich erzählte, kann sich in etlichen Sprachen gut verständigen und spricht vier Sprachen fließend. Aber seine Vorstellungen von Natur und der Arbeit von (Natur)wissenschaftlern sind grotesk.

Weiblich&Irre hat geschrieben:
07 Aug 2019, 17:48
Aber hey :-). Ich habe dennoch eine Seele, die mehr ist als meine Psyche. :) Lass mir diesen Glauben. Er tut doch keinem weh. Ich führe deswegen keine Kriege und wende weder physische noch psychische Gewalt an um andere davon zu überzeugen, ebensowenig missioniere ich.

Wenn du außer deiner Psyche noch eine Seele hast, muss ich auch eine haben. Ich bin immer gerne über meine Besitztümer informiert. Wenn ich meine Neben- oder Hauptseele also nicht finde, bin ich entweder zu blöd zum Suchen, oder du hast nicht genau genug erklärt, wo deine Seele ist. Ich würde weder das eine noch das andere ausschließen. Schon deshalb nicht, weil ich nicht fremdsprachbegabt bin. :lol:

Weiblich&Irre hat geschrieben:
07 Aug 2019, 17:48
Kann Psyche eigentlich ein kreatives Eigenleben haben? Ich wäre heute auch glücklicher, wenn ich noch daran glauben könnte, dass der Osterhase existiert und es Feen gibt.

Na sicher. Ich tue oft Dinge gegen die Vernunft. Die Hürden, die ich mir gelegentlich in den Weg stelle, sind wahre Kunstwerke.

Weiblich&Irre hat geschrieben:
07 Aug 2019, 17:48
Am Anfang war übrigens nicht das Wort, sondern der Laut. Und mit dem hat man sich deutlich seltener missverstanden.

Wir verständigen uns auch heute nicht nur mittels der Sprache, sondern auch mittels Gestik, Mimik, Berührung, Gerüchen und, nach wie vor, auch mittels Lauten. Außer, wenn wir uns schreiben. Smileys sind lächerlich im Vergleich zu dem, was ein Mensch mittels Gestik und Mimik mitteilen kann. Kann schon sein, dass unsere Vorfahren sich seltener missverstanden haben. Aber sie hatten erstens andere Themen, d. h. sie wären gar nicht fähig gewesen, über so etwas wie Bewusstsein zu diskutieren, weil sie weniger Bewusstsein hatten. Und zweitens versteht man sich ja nicht besser, nur weil man sich nicht missversteht. Es kann ja sein, dass man zwar verstanden hat, was der andere mitteilen wollte, aber das besagt noch nichts über die Nützlichkeit oder Komplexität der mitgeteilten Information. Und drittens waren die Gruppen, in denen die Menschen früher lebten, wesentlich kleiner. Trotzdem haben sich Menschen zu allen Zeiten die Schädel eingeschlagen. In einer Schimpansengruppe (nicht unsere Vorfahren, aber verwandt) mag es zwar friedlicher zugehen. Aber wenn die Gruppe auf eine andere trifft, können da schon mal Gliedmaßen bei lebendigem Leibe ausgerissen werden.

Re: Gedanken zur Seele

#28
Lieber zwei drei ausgerissene Gliedmaßen als eine Atombombe. 😂👌

Es wird seit Ewigkeiten viel darüber philosophiert wo der Sitz der Seele ist... ich werd wohl mal ein wenig zu dem Thema recherchieren. Vielleicht im Bereich des Solar Plexus? 🤔

Naturheilkunde und Alternativmedizin ist für mich sehr nah beieinander. Und für mich ist auch beides, inclusive meiner eigenen Weltanschauung zumindest esoterisch angehaucht 🤔.^^

Gesichtsmimik ist oft Fake. Schauspiel...
War sie bei der Naturheilkundlerin (witzige Ironie😁) heute auch. Aber ich gehe davon aus, sie wollte ihre Nervosität verbergen.
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Re: Gedanken zur Seele

#29
Hat vielleicht was damit zu tun, dass Teile der Alternativmedizin-Industrie sich gerne einen natürlichen, ganzheitlichen Anstrich geben, Wui. Mit anderen Worten: Alternativmedizin und Naturheilkunde werden mittels Werbung aneinander gerückt. Z. B. mit einer Verpackung, deren Farbe natürlich wirkt und mit einer Schrift, die aussieht, als sei sie in Holz geschnitzt. Oder durch manipulierendes Werbesprech. Dass manche pflanzlichen Stoffe eine über den Placebo-Effekt hinausgehende heilende Wirkung haben, kann mit wissenschaftlichen Methoden nachgewiesen werden. Hatte ich nicht in der Diskussion mit Lentas auch das Stichwort ›Biopiraterie‹ genannt? Es geht dabei um Patente auf pflanzliche Wirkstoffe.

Re: Gedanken zur Seele

#30
Ich habe wenig Mimik und keine richtige Gestik/Körpersprache. Höchstens solche, die wie Abwehrsignale wirken. :e Was oft aber gar nicht zutrifft hier. Ist oft einfach nur bequemer, z.B. auf bestimmte Art zu sitzen.
Seele ist für mich, wenn man diesen Begriff unbedingt verwenden will, dann schlicht ein Ergebnis des Gehirns. Einfach das, was eine Person ausmacht, ihr Verhalten, ihre Wahrnehmung, ihr Geschmack, ihre Ansichten. Somit seh ich mich auch nur als Körper und alles Geistige/Seelische geht rein aus dem Körperlichen hervor.

Re: Gedanken zur Seele

#31
Weiblich&Irre hat geschrieben:
07 Aug 2019, 17:54
Ich habe mittlerweile einen kranken Körper und eine kranke Seele, obwohl ich gesund geboren bin aber äußere Einflüsse und Menschen haben mich krank gemacht. Ich hatte nie Übergewicht, keine nennenswerten Grunderkrankungen, keine Suchterkrankungen, ich nehme keine Tabletten, verbringe jeden Tag eineinhalb Stunden mit laufen an der frischen Luft, habe genug Sport im Alltag und einen abwechslungsreichen Job. Ich habe nette Kollegen und fühle mich nicht unterfordert. Aber ich habe jeden Tag Schmerzen, und das schon seit mindestens zehn Jahren, in den letzten fünf besonders deutlich und ich werde wohl auch noch die nächsten 50 Jahre welche haben. Jedenfalls muss ich immer darüber lachen, wenn die äußeren Einflüsse, die mich erst krank gemacht haben, mich dann wieder "gesund machen" wollen...

Das tut mir sehr leid, Wui. Aus dem, was du schreibst, klingt recht häufig Verletzlichkeit heraus. Aber auch Liebenswürdigkeit. Ich mag nur einen kleinen Bruchteil der Menschheit, aber ich wünsche keinem Menschen, mit Schmerzen leben zu müssen. Gesund machen wollen oder sollen? Geht es auch um Empfehlungen wie die, Risiken im Kontakt zu anderen Menschen einzugehen? Ich weiß jetzt nicht, um welche äußeren Einflüsse es geht. Was ich aber kenne, sind Lebensratschläge an mich, bei denen ich das Gefühl habe, sie seien nur Phrasen. Manchmal bin ich zwar ganz dankbar für diese Phrasen, aber meist wäre es mir lieber, der andere verkniffe sich Ratschläge.

Was den Sport angeht: Das war kein Ratschlag an irgend jemanden. Ich habe nur erst vor etwa sechs Jahren bewusst gemerkt, dass er bei mir Stress abbaut, also die Wirkung beobachtet und in der Folge mehr Sport betrieben. Wobei ich wieder mehr Sport betreiben sollte.

Weiblich&Irre hat geschrieben:
07 Aug 2019, 17:54
Was wäre mit mir, wenn wir davon ausgehen ich hätte Depressionen? Kranke Psyche. Habe ich dann keine Chance mehr auf einen gesunden Körper?

Würden Medikamente (mit Nebenwirkungen) aus mir dann einen körperlich und geistig gesunden Menschen machen können?

Antidepressiva können Nebenwirkungen haben. Mit recht hoher Wahrscheinlichkeit sogar, oder? Wobei es da ganz unterschiedliche Typen gibt. Auch diejenigen, die nicht abhängig machen, sind keine Bonbons. Ich würde sie als Krücken bezeichnen. Und ich denke, dass es sinnvoll sein kann, sich auf so eine Krücke zu stützen. Aber möglichst nicht dauerhaft.
Zuletzt geändert von Plutino am 07 Aug 2019, 21:41, insgesamt 1-mal geändert.

Re: Gedanken zur Seele

#32
Man muss eine Person übrigens nicht als abergläubig betrachten, nur weil sie an eine (vom Körper unterscheidbare) Seele glaubt. Es gibt tatsächlich sehr elaborierte Argumente dafür (und natürlich auch gute Einwände gegen diese Argumente und gute Einwände gegen diese Einwände... wie das ja immer so ist). Um mal ein solches Argument (von Descartes) zu präsentieren:

Heute früh bin ich aufgewacht und alles sah ganz gewöhnlich aus, als ich so durch mein Schlafzimmer blickte. Ich ging ins Bad und schaute in den Spiegel, aber ich sah mein Gesicht nicht, nur die Duschbrause, die sonst von meinem Kopf hätte verdeckt sein müssen. Natürlich hatte ich ganz schöne Panik und griff mir direkt zum Kopf. Doch da war kein Kopf zu spüren. Erschrocken hob ich die Arme vor das Gesicht - keine Arme zu sehen. Nun blickte ich an mir herab, sah aber keinen Körper. :shock:

Diese Geschichte ist natürlich reichlich unplausibel, aber sie ist vorstellbar. Das ist der springende Punkt. Wenn ihr euch auf die Geschichte einlasst, könnt ihr die Bilder und Bewegungen sehen, könnt euch also sehr lebhaft vorstellen, keinen Körper zu haben, aber eben eine Seele, die überrascht ist und Gefühle wie Panik entwickelt, Befürchtungen, gestorben zu sein etc.. Descartes sagt nun etwas, was auf den ersten Blick nicht sehr überzeugend klingt: Allein die Tatsache, dass ich mir vorstellen kann, eine Seele, aber keinen Körper zu haben, beweist, dass Körper und Seele zwei getrennte Entitäten sind. Dass also die Seele nicht einfach nur ein Überbegriff über eine Reihe interessanter Körperfunktionen ist.

Er argumentiert nicht, dass alles, was vorstellbar ist, Realität ist. Das wäre natürlich Quatsch. Aber er argumentiert, dass wenn ich mir das eine ohne das andere vorstellen kann, es sich um zwei von einander unterscheidbare Dinge handeln muss. Denn wenn x und y identisch wären, könnte ich mir qua Logik nicht x ohne y vorstellen, denn das würde bedeuten, sich x ohne x vorzustellen, also ein Ding ohne sich selbst vorzustellen. Das klingt ja schon völlig sinnlos und diese Sinnlosigkeit betrachtet Descartes als Beweis dafür, dass wenn ich mir y ohne x vorstellen kann, diese beiden Dinge notwendigerweise unterschiedlich sein müssen. Wenn ich mir also eine Seele ohne Körper vorstellen kann, dann kann die Seele (Denkvermögen, Empfindungen, Bewusstsein etc.) keine körperliche Entität sein.

Stellt euch z.B. mal vor, dass jemandes Lächeln existiert, aber nicht sein Körper. Ist das vorstellbar? Ich glaube nicht. Ein Lächeln braucht einen Mund, ein Lächeln ist keine Sache für sich allein, es ist nur ein Wort, das eine bestimmte Tätigkeit des Mundes (also des Körpers) beschreibt. Lächeln ohne Mund ist nicht möglich, weil Lächeln und Mund Beschreibungen derselben Sache sind. Die Frage ist also: Wie könnte ich mir überhaupt eine Situation vorstellen, in der ich eine Seele habe ohne Körper, wenn "Seele" einfach nur eine bestimmte Weise ist, über Aspekte des Körpers zu reden? Ich finde, das ist kein dummes Argument.

Seit Jahrhunderten spielen Philosophen auf diesem Argument Gedankenpingpong; ich schlage deshalb vor, dass wir uns hier nicht auch noch daran beteiligen müssen. Was ich nur sagen wollte: Es ist eine offene Frage und alles andere als dumm, sie so oder anders zu beantworten, ob die Seele jenseits der wohl körperlich definierten "Psyche" existiert. Man kann dies sagen, ohne ein Gegner empirischen Wissens zu sein.
Symbole sind wahrhaftiger als Beschreibungen; denn sie transzendieren über das Erlebbare hinaus.

Re: Gedanken zur Seele

#33
Schmuddelkind hat geschrieben:
07 Aug 2019, 21:38
Die Frage ist also: Wie könnte ich mir überhaupt eine Situation vorstellen, in der ich eine Seele habe ohne Körper, wenn "Seele" einfach nur eine bestimmte Weise ist, über Aspekte des Körpers zu reden?
Wo ist für dich hier das "Problem"? Sehe keins. Man überträgt eben "Person" auf "etwas" Nicht-Materielles. Kann mir ja auch vorstellen, dass eine Stimme unabhängig von der Person einfach so existiert, körperlos.
Viel schwieriger ist es imo, sich die "wirkliche" Realität vorzustellen. Das ist unmöglich imo.

Re: Gedanken zur Seele

#34
Nun ich mag die meisten Menschen (was nicht heißt, dass ich ihnen auch vertraue) und weiß außerdem, dass ein großer Teil dessen, womit ich mich heute und den Rest meines Lebens rumquälen darf nicht etwa aus Bosheit entstanden ist sondern unter anderem, weil "man es gut mit mir meinte" oder "nicht besser wusste."

Deswegen sage ich auch so gern: "Der Weg zur Hölle ist gepflastert mit guten Absichten," auch wenn das Zitat eigentlich nicht von mir ist und ich es eben im zweiten Teil abgewandelt habe.

Nein es geht eigentlich tatsächlich mehr um die körperlichen Schmerzen. Über die seelischen rede ich schon gar nicht mehr, lieber schreibe ich mal ein Gedicht dazu oder so. Es ist schon schwer den Leuten klar zu machen, wenn man mit gerade mal 30 ständig körperliche Beschwerden hat. Dazu kommt, dass die meisten mich für deutlich jünger halten. Ich werde oft gefragt ob ich noch bei meinen Eltern wohne und wenn ich auf die Frage "wie lange machen sie das schon" mit "13 Jahre, jetzt bald 14" antworte ist der Blick auch immer genial. 😂 Also rede ich darüber eben selten. Wozu auch. Es wird ja nicht besser wenn man ständig daran denkt. Ich habe Probleme mit dem Kiefer, den Kopfgelenken, der Halswirbelsäule und der Brustwirbelsäule. Gestern hatte ich einen Krampf im Bereich des Mundbodens. Meine Halswirbelsäule hat einen Formfehler, sie ist ab Wirbel 5 leicht kyphotisch. Die Federung der Wirbelsäule funktioniert dadurch nicht sonderlich gut und so habe ich ziemlich häufig Kopfschmerzen unterschiedlicher Stärke. Keine Ahnung warum aber im Sommer ist das besonders schlimm.
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Re: Gedanken zur Seele

#35
Wo ist für dich hier das "Problem"?

Nicht für mich. Für Descartes.

Kann mir ja auch vorstellen, dass eine Stimme unabhängig von der Person einfach so existiert, körperlos.

Dann stellst du dir aber ein Geräusch vor, das ja in der Tat etwas anderes ist als das Organ, das das Geräusch hervorbringt. Computer können ja inzwischen auch menschliche Stimme erzeugen. Eine Stimme (verstanden als das Geräusch, das für gewöhnlich von Stimmbändern und allerlei Mundpercussions hervorgebracht werden) ist ja gerade logisch distinkt von einem Körper (z.B. vom Mund, den Stimmbändern etc.). Es ist ja, in dem Moment, als ich es höre, nichts anderes als Luftbewegung. Oder um es so zu formulieren. Ein Mensch kann schreien und dann sterben, noch ehe das Geräusch einige Kilometer weiter mein Ohr erreicht. Ein Mensch kann aber nicht denken, wenn er tot ist, sofern das Denkvermögen als eine Körperfunktion betrachtet wird.

Aber es gibt tatsächlich einige schöne Gegenbeispiele, über die man unzählige Stunden diskutieren könnte, wenn das hier das Thema wäre. Der Klassiker ist: Kannst du dir eine Welt vorstellen, in der es den Morgenstern, aber nicht den Abendstern gibt? Ja, geht ganz einfach, oder? Aber Morgenstern und Abendstern sind (zum einen kein Stern und zum anderen) derselbe Himmelskörper: Venus. An dem Beispiel ist Vieles nicht ganz einfach; deshalb hat es nicht schon vor langer Zeit Descartes Argument getötet. Aber es ist sehr wohl eine genauere Betrachtung wert - in einem Philosophiekurs mit sehr viel Zeit.
Symbole sind wahrhaftiger als Beschreibungen; denn sie transzendieren über das Erlebbare hinaus.

Re: Gedanken zur Seele

#37
Muss es ja nicht. Wollte nur der Versuchung entgegenwirken, Menschen als abergläubig, dumm oder irrational abzustempeln, weil sie an eine vom Körper unterschiedene Seele glauben.
Symbole sind wahrhaftiger als Beschreibungen; denn sie transzendieren über das Erlebbare hinaus.

Re: Gedanken zur Seele

#40
Sehe keinen stichhaltigen Anhaltspunkt ("ich fühl das eben" zählt halt gar nicht) dafür, derartiges zu glauben. Von daher weird für mich, davon überzeugt zu sein.
Man kann ja Dinge vermuten, aber wenn es keine nachweisbaren Belege dafür gibt, kann man nicht sagen: Das ist so. Wäre für mich irrational/religiös. Man kann dann halt sagen: Vielleicht ist es so, aber bisher kann es nicht verifiziert werden.

Re: Gedanken zur Seele

#41
Weiblich&Irre hat geschrieben:
07 Aug 2019, 21:48
Deswegen sage ich auch so gern: "Der Weg zur Hölle ist gepflastert mit guten Absichten," auch wenn das Zitat eigentlich nicht von mir ist und ich es eben im zweiten Teil abgewandelt habe.

Das abgewandelte Zitat ist so wahr wie das Original. Ich denke gerade an von ihren Eltern überbehütete Kinder. Kinder, denen die Ängste ihrer Eltern aufgeladen werden. Kinder, die zu Gottesfurcht erzogen werden. Kinder, die verwöhnt werden. Ich habe über Hubschraubereltern gelesen und hab den Kindern eine Flak gewünscht. Kinder, die zum einzigen Lebensinhalt ihrer Eltern werden.

Edit:

Aber irgendwie sind alle Wege zur Hölle gut gepflastert, oder nicht?
Zuletzt geändert von Plutino am 07 Aug 2019, 22:30, insgesamt 1-mal geändert.

Re: Gedanken zur Seele

#43
Bei diesen Argumenten geht es ja gerade nicht um ein vages Gefühl, sondern darum, diese Vermutung rational zu begründen. Unabhängig von der eigenen Position (ich z.B. habe ohnehin eine andere Sichtweise auf diese Dinge und bin da auch nicht bei Descartes) ist es jedenfalls nichts, was man in die Tonne kloppen muss. Da ist schon mehr dran als nur eine unbegründete Sichtweise, ebenso wie bei vielen Argumenten für den Physikalismus. Die Sache ist ja: es gibt viele Argumente, die extrem von den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen abhängig sind. Die Vorstellung, dass rein körperliche Dinge denken können, wäre vor 500 Jahren lachhaft gewesen. Im Computerzeitalter sieht das natürlich ganz anders aus. Das ist das "Problem", das diese eher empirischen Argumente haben, dass sie immer nur vorläufig gelten. Aber solche Argumente wie dieses von Descartes kann man egal zu welcher Zeit mit denselben Mitteln auf Stichhaltigkeit überprüfen. Dafür haben diese natürlich auch andere Probleme, aber die vielen Ideen zu Fragen, die einem im Leben ja zwangsläufig begegnen (hat ja z.B. auch ethische Konsequenzen), bereichern natürlich das Denken ungemein und letztendlich muss jeder wissen, wie er all dies in seinen Erkenntnisapparat sinnhaft integriert.
Symbole sind wahrhaftiger als Beschreibungen; denn sie transzendieren über das Erlebbare hinaus.

Re: Gedanken zur Seele

#46
Schmuddelkind hat geschrieben:
07 Aug 2019, 22:32
Die Vorstellung, dass rein körperliche Dinge denken können, wäre vor 500 Jahren lachhaft gewesen.
Für mich ist menschliches Denken halt nichts anders.
Aber solche Argumente wie dieses von Descartes kann man egal zu welcher Zeit mit denselben Mitteln auf Stichhaltigkeit überprüfen. D
Finde sie halt teils widerlegt.

Re: Gedanken zur Seele

#47
Für mich ist menschliches Denken halt nichts anders.

Für mich auch. Aber zu dieser Schlussfolgerung kann man leichter im 21. als im 16. Jahrhundert gelangen. Wenn man da gesagt hätte, dass viele oder alle Funktionen, die man der Seele zuordnet von einer Maschine ausgeführt werden können, wäre das undenkbar gewesen. Was war damals eine Maschine? Eine Uhr oder so war halt High-Tech. Insofern sind solche Argumente, die vom Wahrnehmbaren auf das Mögliche oder das Unmögliche schließen wollen, immer Kinder ihrer Zeit, was bei rein rationalistischen Argumenten wie dem Descartes nicht oder viel weniger der Fall ist.

Finde sie halt teils widerlegt.

Wenn das Argument so klar widerlegt wäre, würden nicht die klügsten Philosophen bis heute noch darüber diskutieren. Ich sehe das Argument aus einer ganzen Reihe von Gründen auch sehr skeptisch, aber das kann man jedenfalls nicht so einfach an einem Gegenbeispiel festmachen. Für mich ist das eher so etwas wie das heliozentrische Modell des Kopernikus. Es hat Einiges für sich, aber eben auch viele Schwächen und scheint zunächst nicht eindeutig den Vorzug gegenüber dem geozentrischen Weltbild zu rechtfertigen. Die Frage ist halt: Wird auf der ein oder anderen Seite mal ein Kepler oder gar irgendwann ein Newton erscheinen?
Symbole sind wahrhaftiger als Beschreibungen; denn sie transzendieren über das Erlebbare hinaus.

Re: Gedanken zur Seele

#48
Schmuddelkind hat geschrieben:
07 Aug 2019, 23:09
Für mich ist menschliches Denken halt nichts anders.

Für mich auch. Aber zu dieser Schlussfolgerung kann man leichter im 21. als im 16. Jahrhundert gelangen. Wenn man da gesagt hätte, dass viele oder alle Funktionen, die man der Seele zuordnet von einer Maschine ausgeführt werden können, wäre das undenkbar gewesen. Was war damals eine Maschine? Eine Uhr oder so war halt High-Tech. Insofern sind solche Argumente, die vom Wahrnehmbaren auf das Mögliche oder das Unmögliche schließen wollen, immer Kinder ihrer Zeit, was bei rein rationalistischen Argumenten wie dem Descartes nicht oder viel weniger der Fall ist.
Klar, er war halt ein Kind seiner Zeit, so wie wir auch. Damals gab es keine Computer o.Ä. Und künstliche Intelligenzen provozieren neue Fragen, oder dass man die alten Fragen auf neue Weise angeht.
Ist ja auch cool und wichtig, dass sich Leute früher solche Fragen stellten. Darauf baut einiges ja auch auf.

Re: Gedanken zur Seele

#49
Absolut. War ja auch wichtig, dass sich Leute schon Gedanken um Programmiersprachen gemacht haben, lange, lange bevor es Computer gab oder auch dass Leute wie Leibniz schon einfache "Computer" gebaut haben, auf deren Prinzipien man später im Zeitalter der Elektrizität (und dann umso mehr im Zeitalter der Elektronik) aufbauen konnte. Oder man stelle sich mal vor, Gauß und manch andere hätten nicht diese damals völlig nutzlose Frage nach einer nichteuklidischen Geometrie gestellt - dann hätte Einstein auch größere Probleme gehabt. Oft sind es gerade die (zu ihrer Zeit) nutzlosen Ideen, die der Nachwelt einen unermesslich wertvollen Dienst erweisen.
Symbole sind wahrhaftiger als Beschreibungen; denn sie transzendieren über das Erlebbare hinaus.
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