Bildgestaltung

#1
Hallo zusammen,

ich stelle hier ein Bild von mir noch einmal vor, welches ich im "Der Faden der schönen Gedanken" von WuI gezeigt hatte und dieses mal möchte ich, zum Vergleich, auch das ursprüngliche Bild einstellen, damit Plutino, mit dem ich mich darüber ausgetauscht habe, einen Blick darauf werfen kann. Natürlich ist auch jeder andere dazu eingeladen das (👁️👁️) zu tun oder selbst ein Bild zur Verfügung zu stellen.

Ich hatte einen "freien" Auschnitt gewählt und angeregt durch Plutino, stelle ich mir die Frage, welche Rolle die gestalterischen Möglichkeiten wie Seitenverhältnisse und  Ausschnitt haben können. Was wäre, unter welchen Apekt, die gelungenere Wahl?

Lg,
Serpentina
Dateianhänge
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Re: Bildgestaltung

#2
Hallo Serpentina,

ich mag das zweite Bild lieber. Man sieht besser, in welche Richtung die Schnecke eigentlich will und wie es für sie weitergeht. Aber ich denke es kommt darauf an, was genau der Fotograf festhalten wollte: Den Kraftakt des Moments oder den Weg an sich. :nachgr: Wenn Fotos einfach nur der optischen Schönheit dienen, kann man mit dem goldenen Schnitt arbeiten. Wenn sie eine Geschichte erzählen sollen, halte ich den goldenen Schnitt für weniger relevant.

Irregute Grüße
WuI
„Bäume sind Gedichte, die die Erde in den Himmel schreibt.“ -Khalil Gibran

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Re: Bildgestaltung

#3
Ich finde, dass sich hier ein Quadrat anbietet. Das Seitenverhältnis des ersten Bildes wirkt unentschlossen auf mich. Und die Schnecke liegt quasi in der Diagonale eines Quadrats. Das Seitenverhältnis des ersten Bildes liegt noch zu nahe am Quadrat. Aber wenn das Foto Teil einer Serie ist, würde ich mich für die ganze Serie auf ein Seitenverhältnis festlegen. Auf der linken Seite des Bildes ist nichts zu sehen, das aus menschlicher Perspektive einen besonderen Reiz hat. Es geht halt wieder bergab. Angenommen da wäre etwas, z. B. ein langer Weg, der noch auf die Schnecke wartet, oder ein besonderer Leckerbissen, dann gäbe es einen besseren Grund für ein längliches Format. Ich würde der Schnecke in dem Quadrat etwas Luft zum linken und rechten Bildrand lassen. D. h. es geht auch darum, das Quadrat auf dem Ausgangsbild zu positionieren.

Re: Bildgestaltung

#4
Guten Morgen zusammen,

vielen Dank für eure Antworten, dadurch kommt etwas Klarheit angaloppiert.

Den Kraftakt des Moments oder den Weg an sich.



Das ist ein guter Punkt. Ich fände es ja gelungen, wenn beide Aspekt anklingen könnten. Die kleine Akrobatin also, die hier mit ihrer Kraft und Eleganz im Moment den Berg meistert und der Betrachter einen langen Weg vor sich sieht. Ich ahne nun aber auch, dass dieses Bild das nicht ohne weiteres hergibt.

Wenn Fotos einfach nur der optischen Schönheit dienen Wenn sie eine Geschichte erzählen sollen, halte ich den goldenen Schnitt für weniger relevant.


Ja, sehe ich auch so, wobei sich das eventuell auch kombinieren lässt.


Auf jeden Fall gefällt mir mein anfänglich gewählter Ausschnitt gar nicht mehr und du hast, Plutino, zu Recht darauf hingewiesen, dass der Ausschnitt, ohne dass es von mir beabsichtigt war, unentschlossen wirkt.


Auf der linken Seite des Bildes ist nichts zu sehen, das aus menschlicher Perspektive einen besonderen Reiz hat. Es geht halt wieder bergab.


Ja und das muss in dem Fall als Andeutung genügen, dass der Stein des Sisyphos auch wieder runterrollen wird, was aus der Sicht der Schnecke allerdings nicht ins Absurde führt.


Angenommen da wäre etwas, z. B. ein langer Weg,....


Ich denke ich verstehe.
Das vorliegende Bildmaterial bietet sich von seinen Möglichkeiten her nicht unbedingt für einen "langen Weg" als Geschichte an. Der Fokus kann als eher auf das Erklimmen selbst gelegt werden.

Ich werde es mal mit einen Quadrat probieren und die unterschiedliche Eindrücke wirken lassen.

Re: Bildgestaltung

#6
Ich finde das besser. Ein Tipp: Scheu dich nicht davor, die Mitte zu erfühlen. Die gefühlte Mitte liegt häufig etwas oberhalb der optischen Mitte. D. h. ich schätze, dass die Abstände der Fühler zum linken und oberen Bildrand ungefähr gleich sein können. Die Mitte lässt sich schon deshalb im Fall dieses Bildes nicht gut messen, weil die Mitte der Schnecke selbst erfühlt werden muss, also quasi der visuelle Schwerpunkt. Ich lege Ausschnitte/Positionen mit einer Kombination aus Messen und Fühlen fest. Wenn du z. B. einen neben einem Quadrat liegenden Kreis hast, die dieselbe Höhe haben, dann wirkt der Kreis kleiner. Vergleich mal O und H einer Antiqua. Das O ist meistens minimal höher als das H. Es über- und unterragt das H. ›Overshooting‹ nennt sich das. Das hat etwas mit der Wahrnehmung von Flächen und Leerräumen zu tun. D. h. es geht um eine Wahrnehmung, die weniger individuell als menschlich ist. Schon das ist ein Hinweis darauf, dass es durchaus etwas Objektivität bei der Gestaltung gibt.

Eventuell kann die Schnecke noch einige Pixel nach rechts verschoben werden. Aber ich würde das, wie gesagt, nicht zu messen versuchen, sondern erfühlen. Manchmal hilft es auch, den Abstand zum Bild zu verändern. Der Punkt ist, dass das Bild sehr grafisch wirkt, also durchaus streng komponiert, aber auf angenehme Weise. Es gibt einen Schwerpunkt und eine klare Diagonale. Eigentlich sogar zwei, denn Blatt und dieses kreisförmige Objekt im Hintergrund kreuzen die Diagonale des Schneckenkörpers etwa im 90-Grad-Winkel.

Re: Bildgestaltung

#8
Das ist besser, Serpentina. Es weicht zwar von dem Ausschnitt ab, den die Maske, die ich dir per PN geschickt habe, frei lässt, ab, aber ich finde den von mir gewählten Ausschnitt nicht besser. Vielleicht habe ich gestern zu lange auf das Bild gestarrt.

Eine Bildmaske überdeckt Bildteile. In diesem Fall diejenigen Bildteile, die nicht ausgeschnitten werden sollten. So wie eine Skimaske Aussparungen für Augen und Nase hat. Ich hatte dir die Bildmaske im Dateiformat PING (png) geschickt. Darin lässt sich im Gegensatz zu JPEG (jpg) auch Transparenz speichern. Die Maske hat dieselben Abmessungen (in Pixeln) wie das zweite Bild aus deinem Startbeitrag. Wenn du sie in Photoshop o. ä. über das Bild in eine neue Ebene legst, lässt sie den von mir gewählten Ausschnitt frei. Aber falls du das ausprobierst, lass dich bitte nicht davon irritieren, dass ich den Ausschnitt etwas anders positioniert habe. Je nachdem, auf welche Bildteile ich den Fokus lege, komme ich selbst zu leicht unterschiedlichen Ergebnissen. Die Frage ist halt, ob es einen optimalen quadratischen Ausschnitt im Falle dieses Bildes überhaupt gibt. Für mich ist nur klar, dass deine jüngste Version besser als die vorherigen ist und der Ausschnitt bei mir kein unmittelbares Störgefühl mehr erzeugt. Wenn ich lange genug auf das Bild starre, entwickelt sich bezüglich des Ausschnitts trotzdem ein Störgefühl. Aber das passiert mir auch mit dem von mir selbst gewählten Ausschnitt.

Das Bild würde sich auch als Memory-Spielkarte eignen. Ich hatte als Kind eine Memory-Version, die ich sehr mochte. Ich werd gleich mal schauen, ob es die noch gibt.

Edit: Scheint man nur noch gebraucht zu bekommen. Finde ich bei Spielkarten unangenehm.

Re: Bildgestaltung

#9
Vielen Dank. Ich werde mal schauen, ob ich mit meinen Bildern demnächst mal auf den Computer wechsle. Das wäre eh mal angebracht und da kann ich mir, falls ich das hinbekomme, den Ausschnitt von dir mal ansehen. Das interessiert mich.

Ich vermute, das Bild beginnt durch den Quadratausschnitt mehr zu "schwimmen", weil es keinen kontrastreichen Ankerpunkt gibt, an dem sich das Auge orientieren kann. Auch wenn ich den Schwerpunkt der Schnecke etwas oberhalb der Mitte wahrnehme, bleibt die Mitte diffus.
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