schilf im wind

#1
wie soll ich dir genügen?
ich bin ein schilf im wind
das will sich dahin biegen
wo deine hände sind

ach, wärst du eine welle
die meinen halm umspült
ach, wärst du nur zur stelle
wenn mich der nachtwind kühlt

doch muss ich mich wohl fügen
dem gnadenlosen wind
und fern von dir mich wiegen
so fern, wie träume sind
it all seems so stupid
it makes me want to give up
but why should I give up
when it all seems so stupid

(depeche mode)

Re: schilf im wind

#2
Lieber grashüpfer,

das ist wirklich ein sehr zärtliches Liebesgedicht, das die sehnsüchtige Hinneigung (ja, genau!) nach einem geliebten Menschen im Kontrast zur scheinbar statischen räumlichen Distanz darstellt. :o

Die Eingangsfrage verlagert trotz des später ausgeführten Leidens, welches das LI angesichts der unerfüllten Sehnsucht empfindet, den Fokus auf das Du. Die Sorge, dass das LD noch mehr leiden könnte, erlaubt dem Leser Einblick in die liebevollen Gedanken, die es für den Anderen hegt, die über das ansonsten im Text angedeutete körperliche Verlangen (bzw. einfach das Verlangen nach Nähe) hinausgehen. Diese anrührende Sorge, ob es dem Anderen unerträglich ist, ist natürlich ein konstituierendes Element einer Liebe bzw. einer starken emotionalen Verbundenheit und birgt doch auch immer die Gefahr, dass man voraussetzt, der Andere könne sich gar nicht voll und ganz dafür entscheiden, um sich zu schützen.

Die "Schilf im Wind"-Metapher ist wundervoll. Das Schilf, das sich nach dem anderen biegt, weil es nicht anders kann (der Wind), das sich nach ihm sehnt, aber eben fest verwurzelt ist, nicht wegkommt... Das erzeugt ein so starkes Spannungsverhältnis, dass man sich in den Konjunktiv begeben muss: In einer guten Welt könnte das LD ohne Weiteres Wärme und Geborgenheit bieten, die in der Ferne eben auch vermisst werden. Auch ist das Umspülen des Halms eine schöne erotische Andeutung.

Die letzte Strophe verstehe ich so, dass sich das LI in einer seelischen Hin- und Herbewegung befindet. Immer wieder die Nähe suchend und doch so weit weg sein zu müssen - das ist herzzerreißend und einfach nur schön. :)

LG
"Denn alles in der Welt ist endlich.
Nur meine Sehnsucht ist es nicht."

Re: schilf im wind

#3
liebes schmuddelkind,

wow! wenn das mal keine wunderschöne interpretation ist, dann weiß ich auch nicht. :) dabei hast du mit untrüglichem gespür meine intention erfasst. dafür danke ich dir sehr!

Die letzte Strophe verstehe ich so, dass sich das LI in einer seelischen Hin- und Herbewegung befindet.

ja. aber auch, dass es sich biegen muss, wohin letztendlich der wind es biegt. das kann manchmal hin zum LD sein, manchmal aber eben auch davon weg, obwohl es das nicht will. der einfluss des LI ist also begrenzt, weil es äußere faktoren gibt, die entsprechende zwänge ausüben.

das ist herzzerreißend und einfach nur schön

:oops:

lieben dank! :D

und liebe grüße
grashüpfer
it all seems so stupid
it makes me want to give up
but why should I give up
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Re: schilf im wind

#5
lieber gummibaum,

vielen lieben dank für deine mitfühlenden worte. ich würde dem schilfrohr ja einen schal stricken - aber ich kann leider nicht stricken. ;)

liebe grüße
grashüpfer
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Re: schilf im wind

#7
liebe melone,

ja manchmal erlauben es die Umstände nicht, dass eine Liebe so ist (wird) wie man es sich wünscht.

kann mal jemand die umstände aus dem weg räumen? die stehen da so störend rum, das muss doch nicht sein! ;)

danke für deine lieben worte zum gedicht. :)

liebe grüße
grashüpfer
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