Catweazles böses Begriffslexikon

#1
Hallo zusammen,

ich hatte vor ein paar Tagen eine Idee. Ich möchte gerne in der nächsten Zeit ein paar Begriffe satirisch und mit böser Zunge aufs Korn nehmen. Ich habe mir schon ein paar Begriffe aufgeschrieben und möchte mit einem Begriff anfangen. Das Ganze soll ein kleines und böses Lexikon werden, in dem markante Begriffe unserer Zeit erklärt werden.

Wer Lust hat, ist eingeladen mitzumachen.

1.) Inklusion
lat. Includere: einlassen, einschließen,
das Sustantiv inclusion bedeutet Einschließung und Einbeziehung.

„Inklusion“ steht für den äußerst erfolgreichen Versuch, Kinder mit maximalem Aufwand für Kinder, Eltern, Lehrer und minimalen Lernerfolg so lange bei minimaler Anzahl von Lehrkräften und Sozialarbeitern auf die gleiche Schule zu schicken, bis Eltern diesen Zustand für ein Menschenrecht und die Kinder ihn für ihr eigenes Versagen halten. Der bei Kindern und Lehrern entstehende Eindruck des eigenen Versagens wird bei dieser mit dem rosa Mäntelchen der Menschenrechte getarnten Sparmaßnahme als Kolatteralschaden üblicherweise in Kauf genommen. Langzeitwirkungen sind nicht erforscht. Beobachtet wurden bislang Minderwertigkeitsgefühle und Versagensängste bei Kindern und Burnout bei Lehrern.

Fortsetzung folgt.

Grüße von Catweazle

Re: Catweazles böses Begriffslexikon

#2
Tolle Idee Catweazle! :D

Da hast du wirklich pointiert die Probleme dieser bildungspolitischen Maßnahme erläutert - vielleicht n bisschen überzogen. Aber Satire darf das.
Freue mich auf weitere Lexikoneinträge. :thumbup:

Ich versuche es auch mal:

2.) Rente

abgleitet von Rentabilität.

Bezeichnet ein System der Altersabsicherung, beruhend auf der aus der Mode gekommenen Vorstellung, Menschen sollten die Möglichkeit haben, in Würde zu altern.
Die Bundesregierungen seit Schröder arbeiten an einer stufenweisen Entwöhnung älterer Menschen von der Rentenabhängigkeit. Die erste Stufe war die Einführung des Dosenpfands als zweite Säule der Rente. Die zweite Stufe besteht in der schrittweisen Anpassung des Renteneintrittsalters an das zu erwartende Lebensalter.
"Denn alles in der Welt ist endlich.
Nur meine Sehnsucht ist es nicht."

Re: Catweazles böses Begriffslexikon

#3
Hallo Schmuddelkind,

danke erst einmal fürs Lesen meines ersten Wortes des Begriffslexikons. Ich habe noch ein paar "auf Halde", die noch nicht fertig sind. Scheinbar hat es dich zu einer eigenen Begriffserklärung animiert, die dir meines Erachtens gut gelungen ist. Sie ist ein wenig milder als meine und nicht so zugespitzt. Meine Inklusion ist ja auch wirklich böse, aber so erlebe ich es schon auch.

Liebe Grüße :-)
von Catweazle

Re: Catweazles böses Begriffslexikon

#5
Hallo Letreo,

was ich da sehr pointiert geschrieben habe, ist meinem persönlichen Frust geschuldet, weil ich jeden Tag erleben muss, dass die Inklusion den Kindern und den Lehrern nicht gut tut. Die Förderkinder werden nicht richtig gefördert, weil es mit gleicher Personalzahl nicht geht. Die guten Schüler bekommen auch nicht die Förderung, die sich brauchten. Und alles zusammen ist leider nur eine gut verpackte Sparmaßnahme. Damit sage ich nicht, dass Inklusion nicht gut ist. Sie wäre in der Tat gut, wenn man dann auch kleiner Klassen hätte und mehr Fachkräfte einstellen würde. Genau daran scheitert ist aber. Ich höre mal auf, weil wir ja schon sehr off topic sind.

Liebe Grüße :-)
von Catweazle

Re: Catweazles böses Begriffslexikon

#6
Stimmt, Catweazle, eine Ausführung dieser Thematik führe zu weit. Ich verstehe dich aber. Auch ich erlebe jeden Tag die Schwierigkeiten, die sich bei der Umsetzung der eigentlich guten Grundidee ergeben. Manchmal habe ich das Gefühl mich in einem Hamsterrad zu befinden. Es kann nur besser werden. Inklusion, in welcher Form auch immer, sollte selbstverständlich sein.

Lieben Gruß

Letreo
Schreiben macht schön.

Re: Catweazles böses Begriffslexikon

#7
Hallo miteinander,

ein weiteres Wort etwas böse erklärt, aber - wie ich finde - nicht so weit weg von der Realität.

Bildung

Als Bildung wird der Versuch verstanden, unter Zuhilfenahme minimaler personeller und finanzieller Ressourcen, den Eindruck zu erwecken, dass Kinder und Jugendliche so wichtig seien, dass man in sie investiere. Der dabei zwangsläufig entstehende Konflikt zwischen mangelnden Ressourcen und in der Öffentlichkeit immer wieder herbeigeschriebenen sehr guten Qualität wird damit kaschiert, dass die im Bildungssystem Arbeitenden mit einem Maximum an Bürokratie beschäftigt werden, die nicht dokumentiert, dass bei mangelnden Ressourcen die Ergebnisse auch mangelhaft sein müssen, sondern welche Anstrengungen die Schüler unterlassen haben, um zum Erfolg zu gelangen. Da die dadurch bedingten Frustrationen nicht zum Erfolg führen können, werden die Bildenden verpflichtet, die Misserfolge zu verfolgen und fortzuschreiben statt sie zu beheben. Da die dafür aufzuwendende Zeit nicht mehr in guten Unterricht investiert werden kann, handelt es um ein sich selbst erhaltendes System, welches am Ende inflationär vergebene Benotungen und allgemein fortschreitende Bildungsarmut und zunehmende Mängelverwaltung hervorbringt.

Zynische Grüße, Catweazle

Re: Catweazles böses Begriffslexikon

#8
Hi Catweazle,
Die Förderkinder werden nicht richtig gefördert, weil es mit gleicher Personalzahl nicht geht. Die guten Schüler bekommen auch nicht die Förderung, die sich brauchten. Und alles zusammen ist leider nur eine gut verpackte Sparmaßnahme. Damit sage ich nicht, dass Inklusion nicht gut ist. Sie wäre in der Tat gut, wenn man dann auch kleiner Klassen hätte und mehr Fachkräfte einstellen würde. Genau daran scheitert ist aber.
Ja vielleicht offtopic aber wichtig.
Der dabei zwangsläufig entstehende Konflikt zwischen mangelnden Ressourcen und in der Öffentlichkeit immer wieder herbeigeschriebenen sehr guten Qualität wird damit kaschiert, dass die im Bildungssystem Arbeitenden mit einem Maximum an Bürokratie beschäftigt werden, die nicht dokumentiert, dass bei mangelnden Ressourcen die Ergebnisse auch mangelhaft sein müssen, sondern welche Anstrengungen die Schüler unterlassen haben, um zum Erfolg zu gelangen. Da die dadurch bedingten Frustrationen nicht zum Erfolg führen können, werden die Bildenden verpflichtet, die Misserfolge zu verfolgen und fortzuschreiben statt sie zu beheben. Da die dafür aufzuwendende Zeit nicht mehr in guten Unterricht investiert werden kann, handelt es um ein sich selbst erhaltendes System, welches am Ende inflationär vergebene Benotungen und allgemein fortschreitende Bildungsarmut und zunehmende Mängelverwaltung hervorbringt.
Kommt mir auch so vor. Warum investiert man nicht mehr Zeit und Mühe in das beheben dieses Zustandes. Das ist doch gut in die Zukunft investiert?
Jedenfalls gern gelesen
WuI
„Bäume sind Gedichte, die die Erde in den Himmel schreibt.“ -Khalil Gibran

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Re: Catweazles böses Begriffslexikon

#9
Hallo WuI,

ich danke dir für deinen Kommentar. Das ist eine Situation, an der ich immer wieder verzweifele und daher inzwischen auch zynisch bin.
Auf deine Frage, warum man nicht Zeit und Mühe investiert, um das zu beheben, fallen mir zwei Dinge ein.
1.) Es kostet ziemlich viel Geld für Lehrer, Förderlehrer, Sozialpädagogen, kleinere Klassen, bessere Ausstattung der Schulen.
Auf der "Digitalpakt" hilft da nicht weiter. Wenn Kinder einen Text nicht mehr sinnerfassend lesen können, ist es egal, ob der auf Papier oder im Tablet steht.
2.) Es ist nicht gewollt, weil man Ungebildete besser regieren kann. Bildung führt zu Aufmüpfigkeit.
Das ist zwar zynisch, aber wir haben immer wieder Wellen von Lehrermangel und die kommen immer wieder überraschend... seltsam. Für jeden "Kram" gibt es Statistiken, aber das kann man nicht ahnen. Ich halte das für Strategie. Inzwichen stellt man als Lehrer alles ein, was nicht bei drei auf dem Baum ist. Das kann ja nur schiefgehen.

Grüße von Catweazle

Re: Catweazles böses Begriffslexikon

#10
Lieber Catweazles,
ich finde deinen Beitrag im Bezug auf das iSchul- und Sozialsystem nicht über zogen.
Leider ist Inklusion in meinen Augen oft gleichzusetzen mit einer kosten- und kräfteintensiven Methode der Kosten- Zeit- und Personalersparnis.
Habe da selbst ein anstrengendes Erlebnis in einer Schulform durchlebt, die meimet Meinung nach sonst eher weniger gerne includiert und mit zwar engagierten einzelnen Lehrern, aber auch wenig Erfahrung im Umgang mit derartigen Situationen war.
Gerne gelesen
Viele Grüße
Täubchen
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