Gedankenbuch

#1
20.10.2018

Meine Gedanken sind an den Herbst gebunden wie an keine andere Jahreszeit. Je trüber die Tage werden, desto trister werden auch sie. Und je mehr Stunden der Tag an die Nacht verliert, umso länger sinke ich in meine innersten Tiefen hinab. Dort könnte ich mich mit den Sorgen um die Jobsuche quälen. Um die üblichen Versagens- und Zukunftsängste. Aber dort ist nur sie. Die Sehnsucht. Diese alles überdauernde Sehnsucht. Meine Sehnsucht. Sie füllt mich aus wie ein ruhender, kühler See, der ohne Rand in den dunklen Horizont hineinläuft. So liegt sie da. Ruhend und dunkelwerdend und zum Untergehen lockend. Und gleichzeitig ist sie das kleine Boot, das mich nicht versinken lässt und auf dem ich nach einem Hafen rudere, von dem ich nicht weiß, ob es ihn überhaupt gibt. Also rudere ich womöglich umsonst. Aber sie lässt mich nicht ertrinken. Jedoch lässt sie mich auch vieles andere nicht. Frei sein zum Beispiel. Oder los. Manchmal tut sie so, als wäre sie nicht da, und ich falle darauf herein. Das sind die besten Tage. Aber an den meisten Tagen ist sie einfach da und versucht gar nicht sich zu verstecken. Sie füllt mich aus. Ruhend und alles überdauernd. Und ich trage sie mit mir herum, obwohl ich sie loswerden möchte. Aber vielleicht geht das nicht. Vielleicht geht das nicht, weil sie mir einfach zu gut steht. Meine Sehnsucht.

Re: Gedankenbuch

#2
hallo Laie
Du beginnst mit den Empfindungen eines depressiv gestimmten Menschen.
Dann folgen Bilder und Beschreibungen der Hoffnung, die mich sehr beeindrucken und die Seele berühren.
Etwas benommen und konfus liege ich träumend auf der weiten Gefühls- Ebene; Trauer-Hoffnung-Sehnsucht.
Ich verstehe deine Worte als Botschaft und lasse sie im Unterbewußtsein wirken....dort rumort es auch schon

Hochsensibel grüßt
m.c

PS; dein Beitrag wäre ein hervorragender Dialog zu ° Gauklerwort°s: der Hoffnungsvolle
beide zusammen wären eine phantastische Eröffnung eines neuen Tread`s zum Thema Hoffnung
Besser ein guter Humor, als ein bösartiger Tumor °°° m.c

"liebe die Liebe und hasse den Hass" *** Christian Bale

Re: Gedankenbuch

#4
28.10.2018

Nebel ist doch beinahe so etwas wie Regen mit Aussicht. Als hätte ein feiner Regen sich entschieden, im Fallen anzuhalten und länger zu bleiben, um die Welt zu betrachten. Gegen seine eigentliche Bestimmung. Denn Regen muss fallen. Er muss sich bewegen und darf nicht mitten in der Luft stehen. Doch Nebel tut das. Rebellisch fast. Die meisten Menschen mögen den Nebel nicht. Vielleicht ja genau deswegen. Weil der Mensch, so kommt es mir vor, muss sich auch immer bewegen. Er muss immer vorwärts, um etwas zu gelten. Ich weiß, Vorwärtsbewegung ist eine ganz andere Sache als Fallen. Aber um die Bewegung geht's. Um das Nichtanhalten. Und viele Menschen wollen nicht anhalten. Nie. Weil Stillstand ist Rückschritt. Und der Tod. Also ziemlich schlimm. Und schlimm sind für diese Nieanhaltenden auch diese Menschen, welche hin und wieder stehenbleiben und in den Alltag hineinblicken und darüber hinaus. Sie betrachten die Welt. Und dafür steht man am besten kurz still, denn dann ist sie nicht so verschwommen von der Bewegungsunschärfe. Und nur so sieht man, wie schön sie ist. Ja, das haben sie mit dem Nebel gemein. Sie lieben die Aussicht auf die schöne große Welt mit ihren kleinen Dingen, die man nur sieht, wenn man sich die Zeit nimmt anzuhalten. Sie sind quasi Nebelmenschen. Und die Regenmenschen mögen sie nicht. Sie haben für die Nebelmenschen im Vorbeirauschen nur ein Kopfschütteln übrig, da diese für sie eben nichts gelten. Weil sie stillstehen und das ist schlimm. Und manche Nebelmenschen fühlen sich dadurch ganz gering oder lösen sich gar auf, weil sie den Regenmenschen glauben, dass sie nichts gelten. Aber sie sollten sich nicht klein machen lassen. Sie sollten rebellisch bleiben wie der Nebel, der die Aussicht auf die Welt genießt. Denn was wäre die Alternative? Ein verpasstes Leben.
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