Eine kleine Welt

#1
Der Geruch von Kotze und verbranntem Essen steigt mir in die Nase, während ich den Weg zu unserer überschaubaren Wohnung gehe.
Ich stecke den Schlüssel in die Tür und drehe ihn gedankenversunken zwei Mal im Schloss, bis ein "Klick" ertönt und die Tür sich öffnet. Hier drin riecht es deutlich angenehmer. Ich kann den Geruch nicht identifizieren weiß aber, dass er von dem Essen kommt, das ich mittags gekocht habe und das noch auf dem Herd steht.
Unser kleines Zuhause, denke ich als ich die Wohnung betrete und an den Geruch nach Kotze zurückdenke.
Unser Zuhause in der dreckigen Innenstadt.
Wieso zur Hölle riecht es hier eigentlich nach Kotze? -Das muss von dem Alkoholiker im Zweiten kommen.
Dass unsere Nachbarn sich eher unangenehm bemerkbar machen scheint wohl an der Gegend zu liegen, obwohl die Wohnungen durch die zentrale Lage gar nicht mal so günstig waren.
So war das Pärchen neben uns ein klassisches Prügelpaar, mit allerhand lauter Streitigkeiten, von ihr ausgehender Gewalt und ihm, wie er winselt. Schon merkwürdig, dass sie ihn schlägt, rechnet man doch in der Regel eher mit dem Gegenteil.
So war es bei den Nachbarn in meiner letzten Wohnung auf jeden Fall.
Wenn sie ihn anschreit klingt sie meiner Meinung nach wie die Sänger aus den Heavy Metal Songs oder noch besser, wie die Gore Grinder, die ihre Töne für gewöhnlich nur mit Hilfe eines Geräts derart verzerren können.

Der Nachbar unter uns dagegen ist eher ruhigeren Gemüts, und so steigt beinahe jeden Abend der Geruch von Cannabis durch unser Fenster hoch und wenn er sich mal wieder einbildet wir liefen zu laut klopft er beherzt an unsere Tür um uns dann zu sagen:"lauft ihr wie Elefanten, bam Bam bam, ihr verarscht mich nicht ich werde gehen zu Büro, wie Elefanten ich habe Herzproblem" um dann erzürnt abzubrausen.

Draußen kommt es des häufigeren zu Prügeleien vermutlich bedingt durch die Shishabar im Erdgeschoss und man sieht kaum einen Menschen, der tatsächlich deutsch ist. Da wir uns in Deutschland befinden wäre das nicht ungewöhnlich, aber ich scheine wohl die einzige zu sein, die tatsächlich dem Klischee des Landes entspricht.
Naja abgesehen von den beiden schwulen im Blumenladen nebenan, die sich gerne und ausführlich mit anderen Menschen über ihr Sexualleben austauschen, und stets bemüht sind den jeweils anderen in jederlei Hinsicht so schlecht es nur irgendmöglich ist darzustellen.

Dann gibt es da noch den türkischen Kiosk gegenüber, in dem die nette Griechin arbeitet. Viki heißt sie. Ich habe nicht wirklich den Überblick, aber ich glaube zusammen mit ihrem Mann hat sie circa sieben Kinder.
Was soll's, das ist hier ja normal.
Zuletzt geändert von devils.darling. am 27 Aug 2019, 01:57, insgesamt 2-mal geändert.
"those who were seen dancing were thought to be insane by those who could not hear the music"

Re: Eine kleine Welt

#2
Hi.

Ich steckte den Schlüssel in die Tür und drehte ihn gedankenversunken 2 mal im Schloss, bis ein "klick" ertönt und die Tür sich öffnet.
"zweimal". Aber k.A. inwiefern das relevant ist. Ist es ein Poetry-Slam-Text ist, der vorgetragen werden soll, und nicht gelesen wird?
Bei "klick" fände ich besser: "bis ein Klicken ertönte"
"ertönt" & "öffnet" -> ertönte & öffnete
Hier drin roch es deutlich angenehmer. Ich konnte den Geruch nicht identifizieren wusste aber, dass er von dem Essen kommt, das ich mittags gekocht hatte und das nun auf dem Herd stand.
Es steht nun auf dem Herd? Stand doch dann die ganze Zeit dort? Und die Ich-Erzählerin konnte den Geruch nicht identifizieren, obwohl sie das Essen, von dem der Geruch ausgeht, mittags gekocht hat? Aber sie konnte ihn dennoch klar dem Essen zuordnen?
Das unsere Nachbarn sich eher unangenehm bemerkbar machen scheint wohl an der Gegend zu liegen, obwohl die Wohnungen durch die zentrale Lage gar nicht mal so günstig waren.
Dass unsere Nachbarn sich eher unangenehm bemerkbar machten, schien wohl an der Gegend zu liegen, obwohl die Wohnungen durch die zentrale Lage gar nicht mal so günstig waren.

Aber welchen Zusammenhang willst du implizieren zwischen "Nachbarn, die sich unangenehm bemerkbar machen" & Mietspreisen? Find ich weird.
So war das Pärchen neben uns ein klassisches prügelpaar, mit allerhand lauter Streitigkeiten, von ihr ausgehender Gewalt und ihm, wie er winselt.
Das geht so imo nicht. Das ist kein korrekter Satz.
"allerhand lauter Streitigkeiten"? Ein Paar mit allerhand lauter Streitigkeiten, ein Paar mit Streitigkeiten? Alles weird für mich.
Ein Paar, das sich oft stritt <- das ginge.
Ein Paar, dessen Leben von Streitigkeiten geplagt war <- das auch.
Und: "... von ihr ausgehender Gewalt und ihm, wie er winselt" <- Hä? Es ist klar, was du du meinst, aber das funktioniert grammatikalisch so nicht.
Schon merkwürdig, dass sie ihn schlägt, rechnet man doch in der Regel eher mit dem Gegenteil.
Schon wieder Zeitformwechsel.
Schon merkwürdig, dass sie ihn schlug, rechnete man doch in der Regel eher mit dem Gegenteil.
So war es bei den Nachbarn in meiner letzten Wohnung auf jeden Fall.
Was war bei denen so? Dass man mit dem Gegenteil rechnete? Funktioniert so auch nicht. Bezugsding.
Wenn sie ihn anschreit klingt sie meiner Meinung nach wie die Sänger aus den Heavy Metal Songs oder noch besser, wie die Gore Grinder, die ihre Töne für gewöhnlich nur mit Hilfe eines Geräts derart verzerren können.
Erneut Zeitformwechsel.
Und stimmt das denn, das mit der "Gore-Grind".Stimme? Afaik, nein.
Der Nachbar unter uns dagegen ist eher ruhigeren Gemüts, und so steigt beinahe jeden Abend der Geruch von Cannabis durch unser Fenster hoch und wenn er sich mal wieder einbildet wir liefen zu laut klopft er beherzt an unsere Tür um uns dann zu sagen:"lauft ihr wie Elefanten, bam Bam bam, ihr verarscht mich nicht ich werde gehen zu Büro, wie Elefanten ich habe Herzproblem" um dann erzürnt abzubrausen.
Zeitformen.
Ich seh den zwingenden (weil: "und so ..." <- als wär es logischerweise/zwangsläufig) Zusammenhang hier zwischen "eher ruhigeren Gemüts" & kiffen auch nicht.
Draußen kommt es des häufigeren zu Prügeleien vermutlich bedingt durch die Shishabar im Erdgeschoss und man sieht kaum einen Menschen, der tatsächlich deutsch ist. Da wir uns in Deutschland befinden wäre das nicht ungewöhnlich, aber ich scheine wohl die einzige zu sein, die tatsächlich dem Klischee des Landes entspricht.
Naja abgesehen von den beiden schwulen im Blumenladen nebenan, die sich gerne und ausführlich mit anderen Menschen über ihr sexualleben austauschen, und stets bemüht sind den jeweils anderen in jederlei Hinsicht so schlecht es nur irgendmöglich ist darzustellen.

Dann gibt es da noch den türkischen Kiosk gegenüber, in dem die nette Griechin arbeitet. Viki heißt sie. Ich habe nicht wirklich den Überblick, aber ich glaube zusammen haben Sie circa sieben Kinder. Was soll's, das ist hier ja normal.
Zeitform.
Inwiefern sind Prügeleien "bedingt" durch eine Shishabar? Und was ist "tatsächlich deutsch" und inwiefern ist das hier relevant, vorallem auch in Bezug auf voriges? Was soll mir das hier sagen?
"Da wir uns in Deutschland befinden wäre das nicht ungewöhnlich, aber ich scheine wohl die einzige zu sein, die tatsächlich dem Klischee des Landes entspricht." Auch weird. Was soll mir das in der Form sagen? Und: "dem Klischee des Landes entspricht"? :e
" aber ich glaube zusammen haben Sie circa sieben Kinder. " <- Zusammen mit wem? Zusammen mit dem türkischen Kiosk?


Ansonsten ist mir unklar, worauf dieser Text hinaus will? Am Anfang betritt die Ich-Erzählerin die Wohnung, und dann sinniert sie darüber, in welcher Gegend sie lebt und bißchen was darüber, was für Nachbarn sie in der alten Wohnung hatte. Und? Es kommt nichts dabei rum für mich. Keine interessanten Betrachtungen, keine interessanten Gedanken, kein wirklicher Witz, keine Pointe (ich finde "das ist hier ja normal" echt keine Pointe whatsoever, falls es eine sein sollte). What's the point?

Gruß

Re: Eine kleine Welt

#3
Hallo Superfant!
Danke erstmal für die intensive Bearbeitung. Ich werde sicher einige Dinge morgen korrigieren.
Was die Zeit angeht habe ich versuche die Beschreibungen der Leute in der Gegenwart zu halten weil sie ja immernoch so sind während der Moment in dem das LI die Wohnung betritt ein vergangener Moment ist. Aber ebenso könnte das ein Moment in der Gegenwart sein.
Ging vor allem um die Zusammenstellung vieler doch sehr spezieller Charaktere die alle auf kleinstem Raum leben.
Ich denke ich wollte einfach mit den Klischees spielen.
Aber eine richtige Pointe hat es nicht da hast du recht vielleicht hätte es besser in eine andere Kategorie gepasst.
"those who were seen dancing were thought to be insane by those who could not hear the music"

Re: Eine kleine Welt

#4
devils.darling. hat geschrieben:
27 Aug 2019, 01:47
Ging vor allem um die Zusammenstellung vieler doch sehr spezieller Charaktere die alle auf kleinstem Raum leben.
Ich finde, da würden sehr konkrete Details über diese Personen, über die Umgebung usw. helfen. Halt kleine Dinge, die man beobachten kann, die "eigen/speziell" sind und ein Bild entstehen lassen. So ist das ja recht allgemein und vage. Das könnte fast überall spielen, mit nahezu beliebigen Personen. Das konkreteste, charakterisierendste war für mich dieser Satz, den der Kiffertyp von sich gab: "lauft ihr wie Elefanten, bam Bam bam, ihr verarscht mich nicht ich werde gehen zu Büro, wie Elefanten ich habe Herzproblem."
Aber dabei blieb es dann auch; ansonsten ist der Typ für mich auch schemenhaft. Die anderen Personen sind für mich noch viel schemenhafter.

Re: Eine kleine Welt

#5
Halt kleine Dinge, die man beobachten kann, die "eigen/speziell" sind und ein Bild entstehen lassen. So ist das ja recht allgemein und vage.
Das liegt daran dass diese Dinge teilweise alles sind was man von seinen Mitmenschen mitbekommt. Man ist der Nachbar aber Berührungspunkte gibt es kaum man kennt sich nicht aber man weiß teilweise sehr intime Details nach denen man nicht gefragt hat wie das schlagen beispielsweise.
"those who were seen dancing were thought to be insane by those who could not hear the music"

Re: Eine kleine Welt

#6
Ja, intime Details natürlich nicht unbedingt. Ich meinte für den Ich-Erzähler beobachtbare konkrete Eigenheiten, die individuell bzw. charakterisierend sind.
Wenn z.B einer immer Jogginghosen trägt und nur grimmig nickt, wenn man ihn grüßt, statt zu antworten. Und vllt. klingeln den ganzen Tag über 'ne Menge Leute an seiner Tür und verschwinden für 10-30 Minuten in seiner Wohnung. Vllt. hat er eine auffällige Frisur oder eine Riesennase oder vllt. ist er ein Typ, den man noch nie freundlich gucken oder gar lachen gesehen hat. Vllt. bestellt er sich ständig Pizza. Vllt. stellt er seinen Müll oft einfach in den Hausflur vor seine Tür, statt ihn gleich runterzubringen. Keine Ahnung, irgendwelche Kleinigkeiten. Halt mehr als "der Alkoholiker" oder "der, der von seiner Frau geschlagen wird" (obwohl das schon ein konkreteres, ein bißchen ungewöhnlicheres Detail ist). Das sind ja auch nur so Behauptungen, das lässt für mich nicht wirklich ein Bild entstehen. Teilweise wäre es für mich auch cooler, wenn man durch bestimmte ausgewählte Details nur hints gibt, und der Leser dadurch selbst darauf schließen kann, dass jemand z.B. wohl Alkoholiker ist. Es muss ja nicht alles explizit gesagt werden. Man kann ja ein Szenario zeigen, das der Leser sich teilweise selbst entschlüsselt und das er selbst bewertet. Je nachdem was zur Erzählstimme des Ich-Erzählers passt auch.

Re: Eine kleine Welt

#7
"....geh auf die Straße hinaus", hat ein Professor mal zu Zille gesagt
Meiner Meinung nach ist dir eine lässige Milljöh-Schilderung gelungen, die zudem unsere Zeit wieder spiegelt.
Mir hat es Spaß gemacht, den Gedanken des/der Erzählerin zu folgen.

freundlich grüßt alle
aus der Gosse m.c
Besser ein guter Humor, als ein bösartiger Tumor °°° m.c

"liebe die Liebe und hasse den Hass" *** Christian Bale

Re: Eine kleine Welt

#8
Hey Superfant!
Ich freue mich über deine Anregungen und werde daran denken wenn ich nochmal etwas ähnliches in Angriff nehme. Dieses hier lasse ich jetzt so.
Hey Mont claire freue mich dass du es mochtest.
Lg
"those who were seen dancing were thought to be insane by those who could not hear the music"
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