Implosion

#1
Manchmal senkt sich das Glück und ich hebe ab.
Dann umarme ich mich und fühle eine Blume in mir wachsen.
Vereinzelt platzen Blüten aus meiner Mitte.
Meine Augen sind riesig und verschlingen die Welt wie einen Bilderfluss.
Ich fühle, wie alles an mir etwas in den Wind wirbelt, und es sich niederlegt auf dich.
Es hüllt dich in ein strahlendes Gewand und deine Bewegungen lassen dich funkeln.
Ich versinke in einem Taumel voll Gutem.
Immer wieder merke ich
wie deine Worte in meinen Mund fließen
und meine in deinen
und unsere Worte ergießen sich in einem Meer.
Wir schwimmen zusammen davon und dann berührst du
meine Hand.

Deine Finger streichen an meiner Haut entlang und alles beginnt zu brennen.
Feuer.
Kann nicht mehr atmen.
Deine Augen brüllen.
Ich werde erdrückt und gehe unter und auf und über und alles reißt an mir und beißt und schleudert mich umher und plötzlich
explodierst du.
Meine glitzernde Hand und dein Strahlen zerbersten in Millionen Ungewissheiten.
Es riecht verbrannt und an mir kleben deine grauen Finger.

Es fällt ein Schleier zwischen dich und mich, wirst Schauspieler eines alten Stummfilms.
Traurig blicke ich auf deinen Mund, der leise Musik spielt.
Mir wird übel.
Alles schmeckt und riecht nach dir und dein Verlangen umspannt meinen Körper wie ein Gefängnis.
Im letzten Moment werde ich so klein, dass ich zwischen den Gitterstäben entweichen kann.
Meine Augen werden immer leerer und während ich renne möchte ich mich selbst abstreifen.
Mein Körper flieht und wirbelt all die Asche auf.
Dann verschwimmt die Zeit
und ich selbst verschwimme auch.
Löse mich auf und werde zu Nebel.
Ziehe zum Horizont.
Warte,
bis ich mich selbst
auf eine kleine Blume
regne.

Re: Implosion

#2
Hallo Ioman,

ich schleiche schon eine Weile um deinen Text herum. ;) Einerseits zeichnest du sehr schöne Bilder mit deinen Worten, aber anrererseits auch sehr verstörende. Das heißt, ich verstehe den Text nicht ganz. Vielleicht magst du ja ein wenig nachhelfen. Ich vermute, dass LI trauert um den verstorbenen Geliebten und wünscht sich selbst den Tod herbei, um so wieder mit ihm vereint zu sein.

Lieben Gruß

Letreo
Schreiben macht schön.
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