Dort bei den Klippen

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Dort bei den Klippen

Dort bei den Klippen traf er auf sie. Wie sie müden Blickes dem Tanz der Wellen zusah. Er, ein geschundener Soldat, herabgekommen in der Fremdenlegion, tiefer gesunken nun, als namenloser Wanderer, auf allen verlorenen Pfaden dieser Welt. Beide Blicke treffen und fangen sich. Er sitzt neben ihr und sie lauschen dem Meer. Der kalte Wind durchwühlt ihr langes schwarzes Haar, er lächelt und fern am Horizont sticht die Abendsonne hervor.
Eine schwere Krankheit lastet auf ihr, so flüstern ihre Lippen blass, schwächt sie jeden Tag, ein kleines Stück mehr. Sie sagt ihr bleibt nur wenig Zeit noch, in dieser Welt. So legt er dann, seinen Arm um sie und beide verharren wortlos lauschend den ankommendem Wellenklang.
Hier ist sie gern, bei den Klippen wo sie sich besser fühlt allein. Er sagt, das Meer könnte sie heilen, dort hinter dem Horizont liegt ein Versprechen der Ewigkeit, seine Worte entlocken ihr ein Lächeln. So vergingen die Tage, zwei Seelen die sich fanden, hier am Rande dieser Welt.
Doch seine Zeit mit ihr war begrenzt, dass spürte er jedesmal, wenn sie entkräftet vor seine Füße fiel. Reichte ihr die Hand, zog sie wieder hoch und setzen ihren Spaziergang fort, durch das Dorf.
Ein herrlicher Tag seinem Schicksal zu begegnen, fand er und fragte ob sie mit ihm springen würde. Was war noch zu verlieren, ihr fiel nichts ein, so rannten beide lächelnd dem Abhang entgegen. Die Erde verlassen, für Sekunden ungebunden, im freien Fall, vom Meer empfangen. Nass in ihrer Kleidung liegen sie im Sand, von den Wellen umspült und kalt berührt. Sie schloß zufrieden die Augen und genoß den Moment einfach darzuliegen, Hand in Hand, das Sonnenlicht hell durch die geschlossenen Augen.
Die Sonne verlässt den Tag und sie will das er heut bei ihr schläft. Unter klarem Sternendach treffen sie sich bei ihr in der Nacht. Das Mondlicht hüllt beide ein, nichts kann ihren Schlaf heut stören, Arm in Arm, still vereint.

Die Tage zogen ein und aus, mit Glück und Freud, nun aber verhaucht sie die Zeit, wie Sand im Wind. So lag sie eines Tages, kalt und leblos in seinen Armen, es kam wie es kommen musste. Er hatte es verdrängt. Sein Blick fiel auf die Erde zu seinen Füßen, konnte nicht mehr traurig sein, hatte es verlernt, so kehrte er im innern, zurück in seine Leere. Nur ein bitteres Stechen im Herzen mischte sich ein. Ihr Holzkreuz bei den Klippen, er schrie richtung Sonne in den Himmel auf, verliert sich in Weite und Wind. So zog er fort, belastet mit einer weiteren schmerzlichen Erinnerung, durchs Land.



(Alternatives Ende):
Die Tage zogen ein und aus, mit Glück und Freud, nun aber verweht sie die Zeit, wie der Wind den Sand. Die letzte Stunde ihrer Zweisamkeit war vergangen. Seine Liebe zu ihr, war alles was er noch hatte und er wollte sie nicht dem Tod in die Arme geben. Seine letzte Umarmung und nahm ihre Bürde auf sich, die Krankheit verließ sie und nahm sich ihn an ihrer Stelle. Er näherte sich dem Wasser und seiner grausamen Tiefe. Mit einem letzten Gedanken an sie, sprang er lächelnd in die Dunkelheit der See. Er gab sein leeres Leben für sie auf, zufrieden ohne jede Reue.
Noch heute steht sie bei den Klippen und blickt sehnsüchtig ins Meer hinaus. Erwartet sein Boot, dass sie zurück bringt, in seine Arme, hinter den Horizont.
JC
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